14.02.2004
18 Jahre alt und nun schon Bundesliga-Torschütze: Diesen Traum erfüllte sich Michael Delura beim 2:0-Sieg beim 1. FC Köln. Ein Kopfball des U19-Nationalspielers entschied die Partie in der Domstadt.
„Ein bisschen habe ich schon realisiert, was da geschehen ist“, meinte der Gymnasiast im ersten Interview nach dem Abpfiff. „Der Treffer freut mich für mich und die Mannschaft, denn er hat ein bisschen den Druck von uns in der Partie genommen.“
In den Schalker Vereinschroniken wird man – abgesehen von Rüdiger Abramczik und Olaf Thon – wohl nur wenige jüngere Schützen eines Bundesligatores finden. Delura traf in seinem fünften Erstliga-Einsatz und verriet hinterher: „Natürlich will man so schnell wie möglich sein erstes Bundesligator machen und ist auf dieses Tor richtig fixiert.“
Deshalb richtete Delura auch einen Dank an einen erfahrenen Mitspieler. „Sven Vermant hat eine Superflanke reingeschlagen, wie wir es auch im Training unter der Woche geübt haben. Dass ich dann da stehe, ist umso schöner für mich.“
Auch Trainer Jupp Heynckes freute sich über das Erfolgserlebnis seines Youngsters, mahnte aber: „Der Michael ist ein guter Junge, ein großes Talent, aber er hat noch nichts erreicht. Wenn er in ein paar Jahren diesem Treffer viele weitere hinzugefügt hat, kann er stolz auf sich sein.“ Heynckes zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass Delura der Durchbruch gelingt. „Zurzeit kann er bei uns vormittags kaum trainieren und auch am Nachmittag ist er nicht immer dabei, weil er sein Fachabitur macht.“
Charakterstärke bewies Delura übrigens auch in der Winterpause. Da verpasste der 18-Jährige seinen Flieger zum Neujahrsempfang eines Fan-Clubs, weil er zwar rechtzeitig am Flughafen Düsseldorf erschienen war, aber zu anständig war, sich in einer langen Schlange vorzudrängeln. Heynckes: „Zuerst wollten wir ihm 500 Euro Strafe erteilen, aber dann ist mir etwas anderes eingefallen. Michael musste eine Woche lang die Schuhe seiner Kollegen putzen.“ Dies habe der Teenager aber klaglos akzeptiert und seine Aufgabe durchgezogen. „Seine Einstellung hat mir sehr gefallen“, meinte Heynckes anerkennend. „Und einen Flieger wird er wohl so schnell nicht mehr verpassen.“
Erst Kläsener und Hanke, nun Delura, bald vielleicht Baumjohann – besitzt Schalke 04 plötzlich ein unerschöpfliches Reservoir an Nachwuchskräften. Jupp Heynckes deutete an, weiteren talentierten Spielern zum Durchbruch verhelfen zu wollen. So trainierte in dieser Woche Fabian Lamotte wieder bei den Profis mit. Der Abwehrspieler, der in der Sommervorbereitung 2002 bereits einmal zum Bundesligakader gehörte, hat in Zusammenarbeit mit dem Ökotrophologen Christian Frank zuletzt zweieinhalb Kilo abgenommen. „Und Abwehrspieler Christian Petereit aus unserer U23 werde ich mir demnächst ebenso ansehen wie den ein oder anderen A-Jugend-Spieler.“