DFB-Pokal-Rückblick: VfL wollte nach 0:2 auf Schalke sofort kassieren

08.02.2010

Wenn die Königsblauen im Viertelfinale des DFB-Pokals am Mittwoch (10.2., 20.30 Uhr, live im ZDF) beim Drittligisten VfL Osnabrück antreten, wird es das vierte Aufeinandertreffen der beiden Clubs in der Pokalhistorie sein. Mit einem Sieg könnten die Knappen die Bilanz ausgeglichen gestalten.

Das erste Duell datiert vom 19. November 1939 und endete mit einer Überraschung. Schalke scheiterte als amtierender Deutscher Meister bereits in der 2. Pokalrunde an den Niedersachsen. Vor 13.000 Zuschauern in Osnabrück hatte das Team um Klodt, Szepan und Kuzorra mit 1:0 und 2:1 geführt. Doch der VfL bog die Partie, glich in der 78. Minute zum 2:2 aus und schaffte in der 90. Minute die Sensation und warf den Meister mit einem 3:2-Sieg aus dem Rennen.

Manfred Drexler bringt die Königsblauen mit 1:0 in Führung. |Copyright: FC Schalke 04Fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, am 15. Februar 1980, feierte der S04 dann im Achtelfinale einen 2:0-Erfolg. Gerade einmal 11.200 Zuschauer, 3000 davon aus Osnabrück, pilgerten an jenem Freitag ins Parkstadion. Zu eindeutig war die Favoritenrolle verteilt, als dass die Partie Spannung verhieß. Der S04 unter der Leitung von Trainer Dietmar Schwager stand seinerzeit mit Tuchfühlung zur Tabellenspitze auf Platz vier der Bundesliga, der VfL hingegen belegte im Unterhaus Platz neun und rangierte jenseits von Gut und Böse.

Rolf Rüssmann vergibt in der Schlussminute einen Elfmeter. |Copyright: FC Schalke 04Das alte Sprichwort, dass der Pokal seine eigenen Gesetze habe, hatte an diesem Tag keine Bedeutung. Manfred Drexler (36.) und Helmut Kremers (41.) erzielten noch vor der Pause die Treffer zum 2:0-Endstand. Weitere Tore blieben den Königsblauen verwehrt, da Kremers, Klaus Fischer, Wolfram Wuttke, Norbert Elgert und Bernd Thiele zahlreiche weitere Möglichkeiten vergaben. Zudem verschoss Rolf Rüssmann in der Schlussminute noch einen an Elgert verursachten Foulelfmeter. Die junge Osnabrücker Mannschaft fabrizierte im Offensivspiel lediglich ein laues Lüftchen.

Erst nach der Partie legte Lila-Weiß an Tempo zu, allerdings abseits des Rasens: Die VfL-Verantwortlichen wollten direkt nach dem Schlusspfiff die Einnahme mit nach Osnabrück nehmen. Diese Rechnung hatten sie aber ohne Dr. Hans-Joachim Fenne, seinerzeit Präsident des FC Schalke 04, gemacht. „So etwas gibt es in keinem Wirtschaftsunternehmen. Wir haben den Osnabrückern zwar einen Scheck mitgegeben, aber die genaue Abrechnung folgt noch“, erklärte er damals.

Osnabrücks Torhüter Kellner hält in der Schlussphase seinen Kasten sauber. |Copyright: Klaus WieschusEin Wiedersehen im DFB-Pokal gab es neuneinhalb Jahre später. In der ersten Runde 1989/90 hatten dieses Mal die Niedersachsen Heimrecht. 10.500 Besucher kamen am 19. August 1989 an die Bremer Brücke, um das Duell der beiden Zweitligisten zu verfolgen, in das Königsblau als Favorit ging. Die Fans sollten ihr Kommen nicht bereuen, sahen sie doch eine dramatische Schlacht und einen offensiv geführten Kampf um den Einzug in die nächste Runde, der eigentlich zwei Sieger verdient gehabt hätte. Doch es konnte nur einen geben – und der trug Lila und Weiß.

Dabei sahen die Knappen kurz vor dem Schlusspfiff schon wie der sichere Sieger aus. Bjarne Goldbaek hatte in der 66. Minute das 1:0 für das Team von Trainer Peter Neururer erzielt. Doch der VfL hatte zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit die Antwort parat. Ausgerechnet Claus-Dieter Wollitz traf per Freistoß. Der Mittelfeldspieler, später nur noch als „Pele“ bekannt, war rund ein Jahr zuvor noch ein Knappe gewesen, bevor er über Bayer Leverkusen beim VfL gelandet war.

S04-Trainer Peter Neururer schwört seine Mannschaft auf die Verlängerung ein. |Copyright: Klaus WieschusIn der Nachspielzeit hatten die Osnabrücker dann nicht nur das nötige Quäntchen Glück, sondern auch den größeren Kampfgeist auf ihrer Seite. Frank Schulz, ein Jahr zuvor noch Pokalsieger mit der Frankfurter Eintracht, köpfte nach exakt 100 Minuten das 2:1 für die Gastgeber. Schalke suchte nun das Risiko und machte hinten auf. Der Mut sollte aber bestraft werden: Mit dem Schlusspfiff erzielte Heikko Glöde das 3:1 für die Niedersachsen.

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