06.12.2009
Auf dem Papier schien das Duell der Knappen mit dem Tabellenletzten eine klare Angelegenheit. Felix Magath hatte indes vor einem Geduldsspiel gewarnt und Recht behalten. Fast eine Stunde dauerte es, bis das Bollwerk überwunden war. Das Zittern in der VELTINS-Arena war damit aber noch nicht beendet.
Schalkes Chef-Trainer hatte sein Team nach der 0:1-Niederlage in Mönchengladbach nominell nur auf einer Position geändert: Christoph Moritz saß auf der Ersatzbank, Carlos Zambrano begann neben Marcelo Bordon in der Innenverteidigung, wodurch Benedikt Höwedes ins Mittelfeld vorrückte.
Die Gäste richteten sich erwartungsgemäß in ihrer Spielhälfte ein. Statt sich aber in den Strafraum zurückdrängen zu lassen, rückten sie immer wieder geschlossen Richtung Mittellinie vor und boten den Königsblauen so nur wenig Spielraum. "Berlin hat das sehr gut gemacht. Wir haben dagegen kein Mittel gefunden", bemängelte Magath einmal mehr das Fehlen zündender Offensiv-Ideen. "Wir sind momentan nicht in der Lage, im Spiel umzusetzen, was wir im Training in diese Richtung erarbeiten."
Folglich ähnelten die Schalker Bemühungen der erfolglosen Aufholjagd aus der Vorwoche. Nach der Pause kam mit Halil Altintop ein dritter Stürmer, um den Druck auf die Hertha-Defensive zu erhöhen. Das erlösende Tor erzielte ein anderer: Kevin Kuranyi nickte zur Knappen-Führung ein (59.), was aus vielerlei Hinsicht bemerkenswert war: Der Stürmer erzielte sein 100. Bundesliga-Tor (das 60. für S04) und entzweite die Trainer trotz ausführlicher Zeitlupen-Analyse. "Die Schalker hätten nie ein Tor geschossen, wenn Kuranyis klare Abseitsposition erkannt worden wäre", meinte Hertha-Coach Friedhelm Funkel. "Aus meiner Sicht war es gleiche Höhe", sagte Felix Magath, "und es hieß doch auch einmal, dass im Zweifel für den Angreifer entschieden werden soll".
Unter dem Strich stand das 1:0, welches die Hauptstädter zwang, ihren Abwehrgürtel zu lockern. In eine beruhigende Führung konnten die Knappen ihre Kontermöglichkeiten aber nicht ummünzen. So mussten sich die Fans bis in die Nachspielzeit gedulden, als Steve von Bergen den eingewechselten Vicente Sanchez im Strafraum von den Beinen holte. Den Elfmeter verwandelte Rafinha (90.+2) zum 2:0-Endstand. Die letzten sechs Spielminuten hatten die Berliner in Unterzahl bestritten, nachdem Christoph Janker wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Die Hausherren kamen mit einer Verwarnung aus, die aber Folgen hat: Bordon bekam seine fünfte Gelbe Karte (70.) und wird kommenden Samstag (12.12.) im Auswärtsspiel bei Werder Bremen fehlen.
Ihre Mannschaften lobten hernach beide Trainer. Friedhelm Funkel hatte eine "sehr diszipliniert spielende" Hertha gesehen: "Die Mannschaft hat sich nicht aufgegeben und will ihre Punkte in der Liga holen." Felix Magath freute sich über drei Punkte und darüber, dass sich sein Team auf dem dritten Platz und damit in der Spitzengruppe festgebissen hat: "Ich bin froh, dass wir zwei Spieltage vor Ende der Hinrunde so weit oben stehen. Selbst wenn wir zu Weihnachten Fünfter sein sollten, hätten wir eine Klasse-Hinserie gespielt."
Schalke: Neuer - Höwedes, Zambrano, Bordon, Westermann - Matip (46. Altintop/82. Sanchez) - Rafinha, Schmitz - Rakitic - Farfan (65. Moritz), Kuranyi
Berlin: Drobny - Piszczek, Janker, von Bergen, Pejcinovic - Ebert, Lustenberger, Nicu (68. Ramos), Cicero - Raffael - Wichniarek
Tore: 1:0 Kuranyi (59.), 2:0 Rafinha (90.+2/Foulelfmeter)
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 60.801
Gelb-Rote Karte: Janker (86./wiederholtes Foulspiel)
Gelbe Karten: Bordon (5) - Cicero

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