18.10.2006
Nervenstärke bei Debüts zeichnet Manuel Neuer aus. Die bewies der U20-Nationaltorhüter am Dienstagabend bei seinem Einstand beim Schalker Stammtisch.
Von Anfang an war zu spüren, dass der 20-Jährige bei Fans, die wegen ihm zum Fan-Stammtisch gekommen waren, einen dicken Stein im Brett hat. Fast zu schön liest sich sein bisheriger fußballerischer Werdegang: Seit seinem vierten Lebensjahr spielt Neuer für die Knappen und hat seitdem nie mehr den Verein gewechselt. Drei Gründe führte der Keeper an: "Ich konnte von unserem Dachfenster die Flutlichtmasten des Parkstadions sehen, und zu anderen Clubs wäre es für mich nicht näher gewesen", so Neuer. "Zudem besteht meine Familie aus eingefleischten Schalkern." Und als diese dem ganz jungen Manuel sanft mit der Realität konfrontieren wollte, dass es möglicherweise für einen Vierjährigen bei den Blau-Weißen noch zu früh sei, konterte der mit der Dickköpfigkeit der Trotzphase: "Entweder ich spiele bei Schalke - oder gar kein Fußball."
Natürlich waren bei den Fans beim Stammtisch auch Neuers erfolgreiche Bundesliga-Einsätze ein Thema. In Aachen und gegen Bremen wurde nicht nur gewonnen, der Ersatzmann von Frank Rost blieb sogar ohne Gegentor. Die Frage nach der Nummer eins blieb nicht aus. "Natürlich habe ich mir das zum Ziel gesetzt", räumte Neuer ein. "Aber z.B. hat Frank Rost ja noch Vertrag bis 2009." Angesichts des sehr erfahrenen und starken Konkurrenten verkennt der Blondschopf die Kräfteverhältnisse nicht. "Wenn ich erst danach den Sprung schaffen würde, wäre ich auch sehr zufrieden."
Ganz große Optimisten unter den Anhängern thematisierten sogar eine Anwartschaft auf den Posten im Tor der A-Nationalmannschaft. Aber Neuer, der momentan gleichberechtigt mit Florian Fromlowitz das Tor der deutschen U20-Elf hütet, wies solche Gedanken weit von sich. "Um sich überhaupt damit beschäftigen zu dürfen, müsste man mindestens ein, zwei Jahre Stammtorhüter sein." Insofern konnte Neuer den Wechsel von Christofer Heimeroth zu Borussia Mönchengladbach gut nachvollziehen. "Kasey Kellers Vertrag dort läuft nach dem Saisonende aus, und Jupp Heynckes hält sehr viel von Christofer. Dann könnte seine Zeit gekommen sein. So gesehen hat er mit dem Wechsel alles richtig gemacht." Aber Manuel Neuer versicherten den Anwesen, dass er sich in Schalke in Geduld üben würde. Vielleicht macht ihm da ja sein Vorbild Mut. Denn das, so bekräftigte Neuer in der Gaststätte "Auf Schalke", heißt nach wie vor Jens Lehmann.