22.02.2010
Mit einer gemeinsamen Aktion gehen Schalke 04 und Borussia Dortmund das Thema Sicherheit für alle Zuschauer beim Derby an. schalke04.de sprach mit Frank Arndt, Vorstandsmitglied des Schalker Fan-Club Verbands, und Patrick Arnold, Leiter des Schalker Fanprojekts, über die neue Initiative der beiden Reviervereine und erste Rückmeldungen aus der Fanszene der Königsblauen.
Frank Arndt, Patrick Arnold, Sie haben den von beiden Clubs gemeinsamen entworfenen Appell bereits vorab intern den verschiedenen Gruppen innerhalb der Anhängerschaft vorgestellt und diskutiert. Wie fielen die Reaktionen aus?
Arnold: Zunächst einmal war es wichtig, dass sich die Vereine eindeutig positionieren und in dieser Frage Verantwortung übernehmen.
Arndt: Das Bewusstsein in unserer Fanszene, dass man Gewaltbereitschaft rund um die Derbys, die in den vergangenen Jahren fast stetig zugenommen hat, entschieden entgegentreten muss, ist nach meiner Wahrnehmung bei der überwiegenden Mehrheit schon lange vorhanden. Deshalb haben sich die Fans sehr konstruktiv mit den Inhalten des Appells auseinandergesetzt.
Worüber wurde besonders gesprochen?
Arndt: Für das wichtigste Ziel, die Gewalt zu ächten, gab es die volle Unterstützung. Hier sind alle sensibilisiert. Diskussionsbedarf gab es beim Thema Fanmärsche.
Arnold: Für unsere Fans ist eine geschlossene Anreise nach Dortmund sehr wichtig. Aus Sicht der Schalker Anhänger hat dies bei den Fanmärschen in Dortmund geklappt. Aber wir sollten dem Umstand Rechnung tragen, dass dies von BVB-Anhängern als Provokation bewertet wird und auch die Polizei erhebliche Bedenken geäußert hat.
Arndt: Wenn wir wollen, dass sich nachhaltig etwas verändert, müssen alle Seiten eben auch Kompromisse eingehen. Ich bin mir sicher, dass es solche Fanmärsche in den kommenden Jahren nicht mehr geben wird, weil die Polizei dies nicht zulassen wird und unsere Fans dies auch wissen. Umgekehrt gehen wir davon aus, dass ebenso konspirative Anreisen aus Dortmund unterbleiben und den Schalker Fans trotz den schwierigeren räumlichen Umständen eine sichere An- und Abreise von und nach Dortmund ermöglicht wird.
Was ist aus Ihrer Sicht wichtig, damit die Derbys künftig wieder in einem akzeptablen Rahmen ablaufen?
Arnold: Stimmungstechnisch ist ein Derby für alle Anhänger natürlich ein, wenn nicht der Höhepunkt der Saison. Auf den Rängen kann verbal Vollgas geben, um die eigene Mannschaft zu unterstützen. Aber außerhalb der 90 Minuten sollten die Fans die Partie wie ein normales Bundesligaspiel betrachten. Diese sind in Gelsenkirchen unter dem Strich nie ein Problem. So muss es auch wieder sein, wenn hier das Derby stattfindet.
Arndt: Das Wichtigste sollten der Support und die Gesänge sein. Da darf man ruhig auch mal den Gegner hochnehmen und sollte auf beiden Seiten nicht so zartbesaitet sein. Doch dabei muss es bleiben. Jeder sollte auf seinen Nebenmann achten und den konsequent Mund aufmachen, wenn der sich nicht diese Abmachungen hält.
Der Supporters Club hat sich zudem anlässlich des Derbys zu einem besonderen Schritt entschlossen und wird das Fanbanner "Ich war mal schwatzgelb..." vom Catwalk der Arena abnehmen und durch ein Banner des Supporters Club ersetzen. Was ist der Grund?
Arndt: Schalke 04 ist mit diesem Wunsch an uns herangetreten, weil dies wohl Borussia Dortmund ein echtes Anliegen ist. Sowohl Schalke 04 als auch die Supporters wollen zeigen, dass wir es ernst meinen, das Verhältnis wieder vernünftig zu gestalten. Wir sind unsererseits sehr gespannt, ob diese Geste von den BVB-Fans so verstanden wird wie wir sie meinen. Zu dem Transparent stehen wir nach wie vor, weil es einfach der Humor unserer Mitglieder ist und keinen "bösen" Hintergedanken hatte. Es war nichts anderes als die T-Shirts und das Flugzeug, das 2007 von der anderen Seite kam.