27.10.2011
„Leidenschaft, Engagement und der Wille, Spiele zu gewinnen“, lautet das Credo von Hoffenheims Trainer Holger Stanislawski. Mit dieser Einstellung hat der 42-Jährige lange Zeit beim FC St. Pauli gewirkt und den Kiezclub mit bescheidenen Mitteln bis in die Bundesliga geführt. Seit Saisonbeginn schwingt er das Zepter im Kraichgau.
Die Begeisterung, mit der Stanislawski in Hamburg in den Trainingseinheiten arbeitete, wendet er auch bei der TSG an, die am Samstag (29.10., 15.30 Uhr) in der VELTINS-Arena gastiert. So kann es beispielsweise vorkommen, dass im Trainingsalltag plötzlich das Kinderspiel „Die Reise nach Jerusalem“ auf dem Plan steht. Und wer verliert, muss zu lauter Musik eine Tanzeinlage vor den Trainingskiebitzen starten.
Solch eine gute Stimmung wünscht sich Stanislawski auch von den Zuschauern im heimischen Stadion in Sinsheim. Doch bisher wurde er enttäuscht. Deshalb hat der Fußballlehrer jüngst das eigene Publikum zu mehr Begeisterung aufgefordert. „Wir wollen die Zuschauer aktivieren, die nur dasitzen. Es bricht keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er aufsteht und die Welle macht", sagt der 42-Jährige, der von seinem letzten Arbeitgeber eine ganz andere Atmosphäre gewöhnt ist als bei dem Bundesliga-Emporkömmling aus dem Südwesten Deutschlands herrscht. Die Stimmung, so der gebürtige Hamburger, sei ausbaufähig, „ebenso wie unsere Leistung“.
Nach zehn Spieltagen steht der letztjährige Tabellenelfte auf Rang acht. Vor allem auf eigenem Platz wussten die 1899er in dieser Spielzeit zu überzeugen. Unter anderem wurde dem FC Bayern München ein Punkt abgeknöpft, zudem wurden Borussia Dortmund und zuletzt Borussia Mönchengladbach geschlagen. Nach dem 1:0-Sieg gegen die Fohlen wollte sich Stanislawski aber nicht allzu sehr freuen. Denn die Ehrenrunde nach dem Schlusspfiff drehten die Hoffenheimer vor fast leeren Rängen. Der Trainer wunderte sich, „dass drei Viertel des Stadions innerhalb von Minuten“ leer sind.
Ein Saisonziel gibt es im Kraichgau offiziell nicht. Stanislawski denkt in größeren Dimensionen als nur im Rhythmus der Spielzeiten: „Wir wollen versuchen, in den kommenden Jahren Spieler aus der eigenen Jugend einzubauen, wir wollen auf dem Platz einen Wiedererkennungswert haben.“ Dieser soll auch im Offensivspiel zu finden sein: „Wir müssen selbstbewusst nach vorne spielen und auch mal rotzig sein“, fordert der Coach.
Erste Stimmen, die schon von der Europa League sprechen, hört man in Hoffenheim allerdings nicht gerne. „Mit solchen Spinnereien brauchen wir jetzt gar nicht anzufangen“, wehrt beispielsweise Torhüter Tom Starke ab.