03.03.2010
Es grenzt fast an ein Wunder, dass er noch lebt, denn Ex-Stuntman Heiko von der Schlippen lag nach einem schweren Unfall neun Monate lang im Koma. Nach einem halben Jahr hatten die Ärzte ihn eigentlich aufgegeben. Doch er zeigte Überlebenswillen, erwachte mit nur noch 28 Kilogramm Körpergewicht, kämpfte sich durch die Reha und sage und schreibe 66 Operationen.
Auf Einladung des Schalker U13-Trainers Willi Landgraf erzählte er dessen Team von seinen Erfahrungen, seinem eisernen Willen und seinem sozialen Engagement. Die Jugendlichen waren gebannt von diesem Schicksal.
„Ich hab soviel Glück gehabt und nun wollte ich gerne etwas davon zurück geben. Während meiner Reha hatte ich ja lange genug Zeit darüber nachzudenken“, erklärte von der Schlippen. Er wollte gerne etwas für Kinder tun, „weil die sich schließlich nicht selbst helfen können“. Doch er fragte sich, wie diese Hilfe konkret aussehen könnte. „Spendet man beispielsweise einem Kinderheim Geld, so wird davon möglicherweise ein benötigtes Auto angeschafft oder das Dach repariert. Das ist natürlich alles wichtig, doch ich wollte den Kindern ganz direkt eine Freude machen.“
Und so ging er in ein Kinderheim und fragte die Betroffenen selbst, was sie sich am meisten wünschen. Schnell wurde deutlich, dass die Mehrheit gerne in einen Sportverein möchte – mit Gleichaltrigen einem gemeinsamen Hobby nachgehen. „Für Kinder im Heim ist es schwierig, es ist nicht das Geld da, um ihnen eine eigene Sportausrüstung und die Mitgliedschaft im Fußballverein zu finanzieren“, erläuterte der Ex-Stuntman den U13-Spielern, die eine solche Situation nicht kennen. „Es ist doch nicht besonders spannend für einen Zwölfjährigen, wenn er gegen einen Fünfjährigen Tischtennis spielen muss, oder?“, fragte von der Schlippen und erntete zustimmendes Kopfnicken.
So organisierte der heutige Eventmanager seine erste Charity-Aktion: ein Minigolf-Turnier mit viel Prominenz – mit der steht er schließlich durch sein früheres Leben als Stuntman für Serien wie „Alarm für Cobra 11“ noch auf Du und Du. Und so kamen sie alle: „Bang Boom Bang“-Star Ralf Richter, die Doku-Soap-Autohändler Jörg & Dragan, die TV-Polizisten Toto & Harry, Willi Herren, ehemals in der Lindenstraße beheimatet, und auch Willi Landgraf schwang das Eisen für den guten Zweck. Die Familienveranstaltung bei Fackelschein auf Schloss Hardenberg in Velbert wurde zum vollen Erfolg und ermöglichte allen Bewohnern eines Kinderheims Mitgliedschaft und Ausrüstung für einen Sportverein oder ein Instrument plus Unterricht in der Musikschule. „Denn es ist wichtig, dass die Kinder auch außerhalb des Heimes soziale Kontakte knüpfen können und ein Hobby haben“, betonte der Organisator.
In diesem Jahr geht es weiter. Gleich sieben Events in sieben Städten sind geplant, denn Heiko von der Schlippen möchte so vielen Kindern wie möglich helfen. „Wisst Ihr, wenn Menschen von Beginn an spüren, dass ihnen geholfen wird, sind sie später selbst viel eher dazu bereit, auch anderen zu helfen. Und es ist ganz wichtig, dass man auch nach rechts und links schaut“, endete der Ex-Stuntman mit diesem kleinen Tipp. Den nahm Trainer-Fuchs Landgraf gerne auf: „Seht Ihr, das ist das, was ich euch immer sage: Ihr müsst zusammenhalten und für einander da sein. Wenn es einem von euch mal nicht so gut geht, sind da immer Kumpels, die sich um einen kümmern.“ Ein Schlusswort wie in Stein gemeißelt. Die Botschaft war angekommen, und so ging es mit Teamgeist und Fairplay und wie immer mit ganz viel Spaß ab zum Training auf Schalke.