Gazprom

30.01.2013

S04 weiht Gedenktafel für jüdische Mitglieder ein

Mit einer bewegenden Zeremonie und unter großem öffentlichen Interesse hat der FC Schalke 04 die Gedenktafel in Erinnerung an die verfolgten und ermordeten jüdischen Mitglieder der Vereinsfamilie eingeweiht. Die Tafel hängt an der Tausend-Freunde-Mauer vor der Arena und holt die Opfer so, wie S04-Vorstandsmitglied Peter Peters betonte, „symbolisch in unsere Mitte zurück. Tausend Freunde, die – wieder – zusammenstehen“.

Rund 200 Gäste und Medienvertreter verfolgten am Mittwoch (30.1.) bei strömendem Regen und stürmischem Wind, wie die israelische Sängerin Yael Izkovich mit feierlichem Gesang die Einweihungsveranstaltung eröffnete und schließlich Chaim Kornblum, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, das Gedächtnisgebet für die ermordeten Juden Europas (El Male Rachamim) sowie das Kaddisch, das Gebet der Trauernden, sprach. Gemäß jüdischer Begräbnis-Tradition legten die Anwesenden im Gedenken an die Toten kleine Steine vor der Tafel ab – so auch die Schalker Vorstandsmitglieder Peter Peters, Alexander Jobst und Horst Heldt, die Profis Benedikt Höwedes, Julian Draxler und Christoph Metzelder sowie Chef-Trainer Jens Keller.

Auch die Schalker Profis Christoph Metzelder, Benedikt Höwedes und Julian Draxler nahmen an der Veranstaltung teil. Copyright: firo sportphoto

Die Gedenktafel umreißt die Lebens- und Leidenswege jüdischer Vereinsmitglieder: des Zweiten Vorsitzenden Paul Eichengrün, des Vorsitzenden des Presseausschusses Franz Nathan, des späteren Vorsitzenden Fritz Levisohn, der Jugendspieler Ernst Alexander und Arthur Herz sowie der Förderer Leo Sauer, August Kahn, der Familien Katzenstein und Goldblum. Sie wurden entrechtet, verfolgt, deportiert und teilweise ermordet. Einigen wenigen gelang die Flucht.

Wie schon 2004 mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus durch die Studie „Zwischen Blau und Weiß liegt Grau“ übernimmt der FC Schalke 04 mit der Gedenktafel eine Vorreiterrolle in Deutschland. „Es ist unsere Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten. Der FC Schalke 04 hat sich während der Zeit des Nationalsozialismus nicht schützend vor seine jüdischen Mitglieder, Förderer, Funktionäre und Sportler gestellt“, erklärte Peter Peters.

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Am Tag, an dem vor genau 80 Jahren Deutschland die Macht an die Nationalsozialisten übergab und ab dem sich Nazi-Terror brutal bahn schlug, blickte Peters in seiner Rede zurück und rief ins Gedächtnis, was jüdischen Schalkern Schreckliches widerfahren ist. Dass zum Beispiel Ernst Alexander, ein talentierter Nachwuchskicker wie Julian Draxler, zwar in die Niederlande fliehen konnte, aber dort verhaftet und schließlich in Auschwitz ermordet wurde. Oder dass Leo Sauer, der „genauso fußballverrückt war wie unser Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies“, unter anderem S04-Legende Ernst Kuzorra den Führerschein finanziert und ihn als Fahrer eingestellt hatte, mit seiner Frau Auguste zuerst nach Riga verschleppt und dann im KZ Stutthof getötet wurde.

Der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski lobte, dass sich „der FC Schalke von heute erfreulicherweise dieser Vergangenheit stellt. Das ist der richtige Umgang mit der Vergangenheit – und dieser Umgang hat immer auch eine Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft.“

Judith Neuwald-Tasbach dankte dem Verein dafür, dass der S04 ein weithin sichtbares Zeichen setzt. Copyright: Karsten Rabas

Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, dankte dem Verein dafür, dass der S04 ein weithin sichtbares Zeichen setzt, und betonte: „Heute ist ein großer Moment. Dem Vergessen wird ein Ende gesetzt.“ Die Tochter von Kurt Neuwald, dem Mitgründer des Zentralrats der Juden in Deutschland, überbrachte zudem herzliche Grüße des aktuellen Zentralratspräsidenten Dieter Graumann, der sich ebenso wie Judith Neuwald-Tasbach wünscht, „dass andere diesem Vorbild folgen werden“. Insbesondere der Fußball habe eine hervorragende Funktion beim Erlernen des friedlichen Miteinanders verschiedener Kulturen und Religionen schon für Kinder und Jugendliche: „Wenn ein Tor fällt, ist es beim Jubeln egal, welche Religion oder Kultur es geschossen hat.“