Gazprom

09.07.2013

Alexander Jobst: Wir haben schnell und konsequent gehandelt

Im Interview mit schalke04.de erklärt Marketingvorstand Alexander Jobst, warum die Königsblauen den Vertrag mit viagogo gekündigt haben.

Alexander Jobst, nur eine Woche nach Inkrafttreten des Vertrags mit viagogo hat der FC Schalke 04 bereits einen Schlussstrich unter die Partnerschaft gezogen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Jeder Sponsoringvertrag enthält Rechte und Pflichten für beide Vertragsparteien. Dies trifft selbstverständlich auch auf die Vereinbarung mit viagogo zu. Während der FC Schalke 04 diese Pflichten allesamt zum Vertragsstart erfüllt hat, mussten wir feststellen, dass viagogo entgegen der Vereinbarungen gehandelt hat. Darauf haben wir viagogo entsprechend aufmerksam gemacht, und das vom ersten Tag, also dem 1. Juli, an. Trotz mehrfacher Intervention sowie anschließenden Abmahnungen kam viagogo jedoch unseren Aufforderungen nicht nach, sich an die Spielregeln zu halten. Deshalb haben wir – wie wir es den Vereinsmitgliedern auf der Jahreshauptversammlung zugesagt haben – schnell und konsequent gehandelt, um unsere Rechtsposition zu wahren.

Das Thema viagogo hatte hohe Wellen geschlagen. Sind Sie nun erleichtert?

Grundsätzlich müssen gescheiterte Verträge unbedingt eine Ausnahme in unserem Handeln bleiben. Wir haben damals die Möglichkeit gesehen, den Schwarzmarkt einzudämmen und zudem einen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen. Wir mussten nun einsehen, dass das mit diesem Partner nicht möglich ist. Dieser Ausgang wird im Übrigen auch an viagogo nicht spurlos vorübergehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Unternehmen noch viele potenzielle Partner in der Bundesliga finden wird. Ich bin jedoch froh darüber, dass wir sagen können, konsequent gehandelt zu haben. Und ich bedanke mich bei allen Mitgliedern, die uns in dieser Hinsicht ihr Vertrauen geschenkt haben.

Ist die Kündigung auch eine Folge der turbulent verlaufenen Jahreshauptversammlung?

Nein. Wir hatten uns jedoch durch die vielfältigen Reaktionen von Schalkerinnen und Schalkern innerhalb der vergangenen Monate bereits vorher intensiv mit diesem Thema beschäftigt und daraufhin drei Schritte erarbeitet, nach denen wir mit Vertragsbeginn handeln wollten:

1. Genaue Überprüfung der vertraglichen Regeln
2. Genaues Hinschauen, wie die Auswüchse der bewussten Bereicherung an Tickets sein würden
3. Bei gravierenden Verstößen gegen den Vertrag die vorzeitige Beendigung der Vereinbarung

Diese drei Schritte haben wir auf der JHV gegenüber unseren Mitgliedern dargelegt. Für die Einhaltung dieser drei Schritte habe ich mein Wort gegeben! Nun folgten diesen Worten entsprechend der Sachlage die angekündigten Taten.

Warum haben Sie diese Maßnahmen nicht schon vorher kommuniziert?

Wir wollten das geplante Vorgehen zunächst unseren Vereinsmitgliedern auf der Jahreshauptversammlung mitteilen. Im bewusst emotionalisierten Klima erschien uns ein früherer Zeitpunkt nicht der richtige Weg zu sein. Manche Reaktionen während der Jahreshauptversammlung und auch in den Tagen danach haben uns darin bestätigt, dass dies richtig war.

Inwiefern?

Als Vorstandsmitglied muss ich selbstverständlich mit Kritik der Vereinsmitglieder leben und mich mit ihr auseinandersetzen. Auch mit harter Kritik, wenn sie sachlich begründet ist. Deshalb muss ich an dieser Stelle viele Redebeiträge auf der JHV loben, obwohl ich Zielscheibe der Kritik war. Ihre Botschaft war eindringlich formuliert, ist angekommen und mir auch nahegegangen.

Allerdings kann ich für die Vereinsgremien und für mich sagen: Ich habe nicht nur an diesem Tag alle Mitglieder ausreden lassen. Ich habe sie auf der JHV nicht mit Sprechchören unterbrochen oder niedergepfiffen. So etwas gehört nicht auf eine JHV. Von gegenseitiger Achtung war da leider nicht viel zu spüren.

Es war übrigens bemerkenswert, wie viele Mitglieder das genau so gesehen haben. In dieser Hinsicht haben wir nach der JHV sehr viel Zuspruch bekommen. Da hieß es in E-Mails häufig: „Ich bin auch gegen viagogo, aber das, was auf der JHV abgelaufen ist, geht gar nicht.“

Es ging aber noch weiter unter die Gürtellinie …

Ich musste mich in den vergangenen Monaten in sozialen Netzwerken auf übelste Weise beschimpfen lassen. Obendrein verleumdete man mich, ich würde mich an Sponsorenverträgen persönlich bereichern! Es wäre schön, wenn sich diese Leute wenigstens ein einziges Mal selbst hinterfragen, ob sie „Dialog auf Augenhöhe“ und „respektvollen Umgang untereinander“ so leben wie sie ihn selbst ständig einfordern.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Wir haben in den vergangenen Monaten einige Wege beschritten, mit den Fans ins Gespräch zu kommen und mit ihnen zu diskutieren. Einige dieser Wege haben sich als tauglich erwiesen, ich denke z.B. an Besuche bei Fanclubs oder an unsere Kabinengespräche. Andere Dinge werde ich nicht mehr tun. Mit Personen, die mich öffentlich beleidigt und verunglimpft haben, werde ich ganz sicher nicht mehr den Dialog suchen oder deren Äußerungen Bedeutung beimessen.

Aufgrund eines Urteils des Hamburger Oberlandesgerichts vom 13. Juni 2013 glauben nun viele, dass der FC Schalke 04 aufgrund der eingegangenen Partnerschaft nicht mehr gegen den Schwarzmarkt vorgehen kann...

Das trifft nach unserer Rechtsauffassung jedoch nicht zu. In besagtem Prozess war der Hamburger SV mit seiner Klage gescheitert, die der Ticketplattform Seatwave den Handel mit Heimspielkarten der Hamburger untersagen sollte. Im Laufe dieses Verfahrens hatte der HSV jedoch einen Vertrag mit viagogo geschlossen, was die eigene Klage ad absurdum führte. Ein Vertrag, übrigens, der sich von unseren Bedingungen deutlich unterschied: Pro Partie wurden dort 1500 Karten – also deutlich mehr Tickets als bei uns – über die Ticketplattform angeboten. Zudem kassierte der HSV 85 Prozent des Verkaufspreises selbst. Der FC Schalke 04 hätte an den Kartenverkäufen hingegen keinen Cent verdient und, ganz wichtig: Wir waren in der Lage, einen Sicherheitsabgleich vorzunehmen, also zu kontrollieren, ob Tickets an Personen gehen, die ein Risiko für andere Stadionbesucher darstellen könnten. Dies hat der HSV versäumt. Vor allem aufgrund dieser beiden Faktoren – Einnahmen aus dem direkten Kartenverkauf und vernachlässigter Sicherheitsabgleich – sprach das OLG dieses Urteil. Im Fall Schalke 04, so unsere Auffassung, würde es zu anderen Schlüssen kommen.

Was bedeutet diese Entwicklung für den Kampf gegen den Schwarzmarkt?

Es bleibt leider wahr, was wir bereits vor dem Deal mit viagogo gesagt haben: Es ist sehr schwer, den Schwarzmarkt zu bekämpfen. In der Zukunft wird dies auch eine sehr schwierige Herausforderung bleiben. Internet-Ticketplattformen nehmen auf internationaler Ebene weiter zu. Weder die personellen Ressourcen der Vereine reichen zu einer vollumfänglichen Bekämpfung aus, noch haben die Clubs die rechtliche Hoheit bei der Bekämpfung. Das sollte niemand vergessen.