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02.02.2016

Vor elf Jahren wirbelte der S04 die Wolfsburger um

In der Saison 2004/2005 schnupperte der FC Schalke 04 an der Meisterschaft. Nach dem 3:0-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg und der anschließenden Niederlage des FC Bayern auf der Bielefelder Alm schlossen die Knappen am 21. Spieltag zum Spitzenreiter aus München auf. Die sportliche Situation rückte angesichts der Sorgen um Eurofighter Mike Büskens aber in den Hintergrund.

Büskens, damals Co-Trainer der Zweiten Mannschaft des S04, litt an einer Magen-Darm-Infektion samt Blutvergiftung. Die Ärzte mussten ihn sogar in ein künstliches Koma versetzen. Vereinsverantwortliche und Fans waren in großer Sorge um den zweifachen Familienvater. Doch der bewies auch abseits des Platzes sein Kämpferherz: Nach einigen Tagen gingen die Entzündungswerte zurück. Büskens konnte die Intensivstation verlassen - bei aller Begeisterung für den Fußball war dies Anfang Februar 2005 die beste Nachricht des jungen Jahres für alle Schalker.

Entsprechend hallten beim Spiel gegen Wolfsburg die bekannten „Büskens“-Sprechchöre durch die Arena. Sie passten zu einem aus Schalker Sicht fast perfekten Tag. Dabei war die Personaldecke dünn geworden vor dem Duell mit den Wölfen, als das Abwehrgespann aus Marcelo Bordon und Mladen Krstajic ausfiel. Zudem waren nach den Partien beim 1. FC Kaiserslautern (0:2) und bei Hansa Rostock (2:2) Zweifel aufgekommen, ob das Schalker Nervenkostüm den Belastungen eines Titelkampfs standhält. Doch die Königsblauen wirbelten die Gäste aus Niedersachsen in den ersten 35 Minuten schwindelig. „Wir haben endlich wieder so gespielt wie vor der Winterpause“, freute sich Trainer Ralf Rangnick.

Gerald Asamoah zeigte eine ganz starke Leistung, die er mit einem Treffer krönte. Copyright: firo sportphoto

Der überragende Gerald Asamoah, der nur drei Tage nach seinem Muskelfaserriss aus dem Länderspiel gegen Argentinien wie gewohnt Vollgas gab (O-Ton: „Mein Körper ist eben anders als normal“), und Ebbe Sand sorgten für die 2:0-Führung. Vier Minuten vor dem Abpfiff stellte der eingewechselte Mike Hanke den Endstand her. Zu diesem Zeitpunkt bereits in Überzahl, denn der spätere Knappe Hans Sarpei hatte nach rund einer Stunde die Ampelkarte gesehen und damit den Wolfsburger Tag vollends vermasselt.

Während die Gäste enttäuscht das Stadion verließen, herrschte auf Schalke wieder Euphorie. „Das war das Beste, was ich in dieser Saison in der Arena gesehen habe“, schwärmte Manager Rudi Assauer, während „Asa“ das ganz große Ziel ins Visier nahm: „In dieser Form können wir Meister werden. Bayern hat zwar das bessere Torverhältnis, aber dann holen wir halt ein paar Punkte mehr als die.“ Heile Welt also? Nicht ganz, denn Ailton schob Frust. Der Brasilianer hatte gegen Wolfsburg einen Elfmeter verschossen und zwei weitere Großchancen ausgelassen. In seinen Worten: „Das ist scheiße. Ich bin sauer auf mich selbst.“

Seine Sorgen waren am 21. Spieltag aber allenfalls eine Randnotiz. Erst recht, nachdem die Bayern am Sonntagabend auf der Alm in Bielefeld mit 1:3 abgestürzt waren, wodurch der S04 mit 41 Punkten gleichzog. Später verdrängten die Knappen den FCB durch einen 1:0-Sieg im direkten Duell sogar von der Tabellenspitze - allerdings nur für eine Woche. Am Ende hielt Schalke erneut lediglich die Vizemeisterschaft in Händen.