Gazprom

11.02.2016

Als Ailton Maskottchen Erwin köpfte

Zum ersten Mal überhaupt in der Bundesliga trafen der FC Schalke 04 und der 1. FSV Mainz 05 in der Saison 2004/2005 aufeinander. Am 9. Spieltag holten die Königsblauen den aufmüpfigen Aufsteiger durch einen 2:1-Erfolg auf den Boden der Tatsachen zurück. Für den Siegtreffer sorgte ein exzentrischer Stürmer mit seinem ersten Bundesliga-Tor für die Knappen.

„Ailton auf Schalke gedemütigt. Wann explodiert er?“ fragte eine Tageszeitung vor dem Spiel gegen den 1. FSV Mainz 05. Der brasilianische Neuzugang war im UEFA-Cup-Heimspiel gegen Basel (1:1) spät eingewechselt worden und anschließend in weißen Cowboystiefeln wütend aus der Kabine gestapft. „Fünf Minuten gespielt. Das ist eine Scheiß-Situation“, schimpfte Ailton auf dem Weg zum Auto. Der Torjäger war im Oktober 2004 auf Schalke noch nicht angekommen, wartete noch immer auf sein erstes Bundesliga-Tor für die Königsblauen und hatte dafür aber bereits eine Rot-Sperre abgesessen.

Trotzdem stand er gegen Mainz in der Startformation. Trainer Ralf Rangnick setzte auf den Torriecher des Brasilianers gegen einen Aufsteiger, der seit der Auftaktniederlage gegen den VfB Stuttgart unbesiegt war und als Tabellenvierter voller Selbstvertrauen nach Gelsenkirchen reiste. „Wir haben uns vor der Saison auf dieses Spiel gefreut. Und wenn wir schon mal da sind, wollen wir auch gewinnen“, sagte der damalige Coach Jürgen Klopp.

Gegen Mainz erzielte Ailton sein erstes Bundesligator für die Knappen. Copyright: firo sportphoto

Lange sah es auch so aus, als könne Mainz tatsächlich etwas Zählbares aus der Arena mitnehmen. Niclas Weiland hatte den Führungstreffer Lincolns aus der ersten Halbzeit nach rund einer Stunde ausgeglichen. Doch dann explodierte Ailton tatsächlich - allerdings nicht vor Wut, sondern bei seinem Siegtor zum 2:1. Nach einem Traumpass seines Landsmannes Lincoln versenkte er in der 69. Minute den Ball mit dem linken Außenrist so eiskalt, als hätte es sämtliche Diskussionen um seine Verpflichtung nie gegeben.

Seine Freude entlud sich an der Eckfahne in einem Sprung in die Arme von Maskottchen Erwin, der dabei den großen Plüsch-Kopf verlor und ziemlich verdutzt aus der Wäsche schaute. Ailton erklärte dagegen nach Spielschluss vergnügt: „Wenn Mannschaft gut spielt, Ailton schießt Tor. Bald ist er bei 100 Prozent.“ Und auch der Ärger mit Trainer Ralf Rangnick war plötzlich verflogen. „Alles ganz locker. Wir verstehen uns gut“, sagte der Brasilianer, bei dem der Knoten in diesem Spiel tatsächlich geplatzt war.

Am Ende der Saison, in der Schalke hinter Bayern München Vizemeister wurde und Mainz problemlos den Klassenerhalt schaffte, war er mit 14 Treffern bester Torjäger seines Teams. Dauerhaft glücklich wurde Ailton auf Schalke trotzdem nie. Nach nur einer Saison verließ er die Knappen und die Bundesliga, um in der Türkei bei Besiktas Istanbul anzuheuern. Anschließend führte ihn seine Reise unter anderem noch in die Schweiz, nach Serbien und in die Ukraine, ehe sie glanzlos im Dschungelcamp und diversen deutschen Amateurligen endete.