Gazprom

24.02.2016

Ein Hoch auf den Schalker Flankengott

Rüdiger Abramczik hat in diesen Tagen so einige Hände zu schütteln. Die S04-Legende wurde vor Kurzem 60 Jahre alt. Die beliebte Veranstaltungsreihe „90 Minuten – Ein Abend unter Schalkern“ bot am Dienstag (23.2.) den perfekten Rahmen, seine Karriere gemeinsam mit Moderator Jörg Seveneick und 150 Gästen Revue passieren zu lassen. Ein Abend voller Anekdoten und emotionaler Momente.

60 Jahre „Abi“ – selbstverständlich wurde der Event pünktlich um 19.04 Uhr mit einem nachträglichen Geburtstagsständchen für den Ehrengast eröffnet, ehe in Erinnerungen geschwelgt wurde. Seine Anfangszeit auf Schalke war alles andere als eine Wohlfühloase. „Die ersten zwei Jahre habe ich mich immer in so einem muffigen Ballraum neben der Kabine umziehen müssen“, blickte Abramczik zurück. „Das war aber nicht schlimm. War ich wenigstens alleine.“

Zum Außenseiter wurde der Flügelspieler aber nicht, im Gegenteil. Abramczik trat in die Fußstapfen seines großen Vorbilds Stan Libuda („Er war einzigartig. Der beste Rechtsaußen aller Zeiten.“) und brillierte mit seinen punktgenauen Flanken. Gemeinsam mit S04-Stürmerlegende Klaus Fischer bildete er ein kongeniales Duo, legte dem Schalker Torjäger das unvergessene Fallrückziehertor auf.

Rund 150 Schalker sorgten für einen bis auf den letzten Platz gefüllten Pressekonferenzraum in der Arena.

Fischer ließ sich nicht zweimal bitten und erwies seinem Vorlagengeber vom Dienst die Ehre. Abramczik fand auf seiner rechten Außenbahn immer einen Weg, aber nicht nur da. „Bei der WM in Argentinien waren wir in einer Kaserne untergebracht und vom Militär bewacht“, erzählte Fischer von der gemeinsamen Zeit bei der Nationalelf „Das war schrecklich, man kam da nicht raus und konnte nichts machen.“ „Abi“ entgegnete augenzwinkernd: „Ich schon!“ Die Lacher waren der Frohnatur eben immer schon garantiert.

Seinen Wechsel zu Borussia Dortmund, der seinerzeit für großen Wirbel gesorgt hatte, sieht der Schalker Flankengott heute gelassen. Sein Herz schlug damals ausschließlich für Königsblau, auch im Trikot der Revier-Rivalen. „Ich wollte gar nicht weg“, verriet er dem Plenum. „Aber Schalke brauchte das Geld und musste mich verkaufen.“ Aus der gemeinsamen Zeit beim Nachbarn und später noch einmal bei Galatasaray Istanbul traute sich Weggefährte Erdal Keser in die Höhle des Löwen und zeigte sich am Stehtisch in der Arena blendend aufgelegt.

Abgeschlossen wurde der traditionsreiche Abend nach über zwei Stunden mit einer musikalischen Darbietung von Michael Hoffmann. Das Publikum zeigte sich textsicher und ließ den sichtlich bewegten Rüdiger Abramczik im Refrain hochleben: „Die Kinder auf dem Bolzplatz waren Müller, Hoeneß, Hölzenbein. Aber wir, wir wollten immer nur Rüdiger Abramczik sein.“