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02.03.2016

Hamburger SV: Wellenreiter

Bangen um den Klassenerhalt, Rettung in der Relegation: Der Hamburger SV durchquerte in den vergangenen zwei Spielzeiten raue Seen, ohne jedoch zu kentern. In dieser Saison befahren die Hanseaten deutlich ruhigere Gewässer - Untiefen lauern trotzdem.

Erst Borussia Dortmund daheim besiegt, dann der Derbysieg gegen Werder Bremen: Nach dem 14. Spieltag schienen die Hamburger den Ballast der Abstiegsangst endgültig abgelegt zu haben. Mit Platz sieben ging der HSV sogar auf Tuchfühlung zu den internationalen Rängen, erspielte sich im selben Atemzug ein beruhigendes Elf-Punkte-Polster auf Relegationsplatz 16. Doch die Puste hielt nicht lange. „Wir haben noch drei schwere Spiele vor der Brust“, mahnte Mittelfeldspieler Lewis Holtby kurz nach dem Sieg gegen Werder.

Die Prophezeiung wurde bittere Wahrheit. Bis zur Winterpause holten die Hamburger nur noch einen Punkt und starteten die Rückserie mit zwei Pleiten in Folge (1:2 gegen Bayern München sowie den VfB Stuttgart). Ein leichter Rückschritt im Fortschritt, wie Chef-Trainer Bruno Labbadia nüchtern feststellte: „Wir sind nicht da, wo wir eigentlich schon mal waren.“

Von Europa träumte im Aufschwung des Saisonstarts zwar niemand ernsthaft. Dennoch glaubten die Verantwortlichen, das gefürchtete Abstiegsgespenst endlich abgehängt zu haben. Nun richtete sich der Blick einmal mehr nach unten. Nervosität und Panik feierten rund um den Traditions-Tanker allerdings kein Comeback. Der Grund: Labbadias Besatzung machte bisher den Eindruck, mit Gegenwind und hohem Wellengang selbstbewusster umzugehen als in den beiden Spielzeiten zuvor.

Den Beweis dafür lieferte sie am 21. Spieltag: Vor eigenem Publikum schlug das Team Borussia Mönchengladbach in einem intensiven Duell mit 3:2 und durfte sich über den ersten Dreier in der Rückrunde freuen. Eine Willensleistung. „Wir haben heute viel Leidenschaft auf dem Platz gezeigt“, lobte Spielmacher Aaron Hunt die Einstellung, „und genau so müssen wir in der aktuellen Situation auftreten.“

Dabei übernehmen selbst vermeintlich Aussortierte tragende Rollen. Ivo Ilicevic hatte angekündigt, den Club am Saisonende verlassen zu wollen. Seit Wochen sorgt der Kroate offensiv für Wirbel und setzte ein Ausrufezeichen mit seinem vorentscheidenden Kopfball zum 3:1 gegen die Fohlen. Ein weiterer Phoenix aus der Asche hört auf den Namen Artjoms Rudnevs. Der Lette war zwischenzeitlich in die Reserve verbannt worden, hatte eigentlich keine Zukunft mehr rund um die Raute. Nach der Winterpause kam er in den ersten fünf Partien zum Einsatz und dankte es mit zwei Treffern. „Jeder ist wichtig“, unterstrich Bruno Labbadia, „wir können nur über die Geschlossenheit Erfolg haben.“

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