Gazprom

14.03.2016

Vom Fehleinkauf zum Matchwinner

1:6 im Freundschaftsspiel gegen die Amateure des FC Bocholt, 2:5 im Nachholspiel gegen Waldhof Mannheim: Auf Schalke schrillten Anfang Februar 1985 die Alarmglocken. Mit dem Abstiegskampf hatte der Aufsteiger bis dato nichts zu tun, doch nach den zwei empfindlichen Pleiten ging die Angst vor dem Absturz um.

Für Ruhe sorgten zwei Wintertransfers, die schon als Fehleinkäufe verspottet worden waren, den 4:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach aber fast im Alleingang eintüteten. Erstmals keimte Kritik an Schalkes Trainer Diethelm Ferner auf. Der Vorwurf: Der nach dem Aufstieg im Sommer noch von allen Seiten gefeierte Coach ließe zu hart trainieren. Hintergrund war eine Strafeinheit nach der Pleite im Testspiel gegen den Oberligisten Bocholt. Beim anschließenden Ligaspiel in Mannheim hinterließen die Königsblauen einen derart geräderten Eindruck, dass sich auf Schalke die Angst vor einem erneuten Abstieg in die Zweite Bundesliga breitmachte.

Ursache für den schwachen Start ins Jahr waren aber in erster Linie Personalprobleme. Einige Leistungsträger waren verletzt oder angeschlagen. Fast schon symptomatisch war der Ausfall von Mathias Schipper, dessen Schädel im Training vom Spielgerät gleich zweimal über Gebühr malträtiert wurde. Diagnose: Gehirnerschütterung. Die Ärzte verboten Schipper erst einmal jede Art von Sport. So rückten im Heimspiel gegen Mönchengladbach erneut Frank Hartmann und Norbert Eilenfeldt in die erste Elf. Beide waren erst zur Rückrunde von den 1. FCs aus Köln und Kaiserslautern gekommen, hatten aber auf Schalke bislang nicht überzeugen können. Die Medien spotteten schon über zwei „Ladenhüter“, die sich Manager Rudi Assauer hatte andrehen lassen.

Norbert Eilenfeldt trifft zum 2:0 gegen die Fohlen. Copyright: imago

Doch gegen die Fohlen ließen beide alle Kritiker verstummen. Angetrieben von 40.000 Fans, die sich das erste Heimspiel des Jahres nicht entgehen lassen wollten, erzielte Hartmann fünf Minuten vor der Pause den Führungstreffer. In Hälfte zwei legte Eilenfeldt das 2:0 nach, ehe erneut Hartmann mit dem dritten Schalker Treffer (81.) für die Entscheidung sorgte. Das 4:0 von Gerhard Kleppinger und der späte Anschlusstreffer von Uwe Rahn waren statistisches Beiwerk.

Bei Hartmann und Eilenfeldt waren nach dem Abpfiff Erleichterung und wohl auch ein Schuss Genugtuung zu spüren. „Wir haben heute hoffentlich allen Kritikern bewiesen, dass wir keine Fehleinkäufe sind“, kommentierte Hartmann.

In seinem Fall zeigte die Zukunft, dass er richtig lag. Seine Torquote stimmte: In 52 Spielen für Schalke traf er 20 Mal, ehe er im Sommer 1986 nach Kaiserslautern wechselte – und dort vor allem gegen seinen Ex-Verein noch einmal aufdrehte. Beim 5:1 gegen Schalke im November 1986 gelang Hartmann, was nur wenige in der Bundesliga schafften. Er erzielte fünf Treffer - ausgerechnet gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.

Norbert Eilenfeldt dagegen verließ Schalke nach dem Ende des Leihgeschäfts bereits im Sommer 1985, auch wenn er gerne länger bei seinem Lieblingsverein geblieben wäre. So blieb das Tor gegen die Fohlen sein einziges im Schalker Trikot. In der Rückrunde 1984/1985 kam der gebürtige Essener aber 17 Mal zum Einsatz und hatte damit wie Hartmann, der in 18 Spielen sieben Tore erzielte, einen großen Anteil daran, dass Schalke nie ernsthaft in Abstiegsgefahr geriet. Die Knappen beendeten die Saison schließlich auf dem achten Platz.

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