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17.06.2017

S04 trauert um Günter Siebert

Der FC Schalke 04 trauert um Günter Siebert, der den Verein als Spieler und später als Präsident mehr als 30 Jahre lang prägte. Der Deutsche Meister von 1958  verstarb am Freitag (16.6.) im Alter von 86 Jahren in einem Pflegestift in Eckernförde. Er sei friedlich eingeschlafen, berichtete seine Tochter Gabi, die sich in den vergangenen Jahren liebevoll um ihn gekümmert hatte.

Siebert wird auf eigenen Wunsch im engsten Familienkreis beigesetzt; Ort und Zeit möchte die Familie nicht bekannt geben.

Die Beziehung zwischen Siebert, der von seinen Weggefährten nur ‚Oskar’ genannt wurde, und den Knappen war Liebe auf den zweiten Blick. 1951 heuerte der Mittelstürmer zum ersten Mal auf Schalke an, zog allerdings bereits zwei Jahre später wieder weiter. Erst nach gutem Zureden kehrte er 1955 ins Ruhrgebiet zurück - was sich später noch zweimal wiederholen sollte.

Seine zweite Phase als Spieler auf Schalke war äußerst erfolgreich. Als Wühler im Angriff war er Mitglied der legendären Mannschaft, die 1958 nach einem 3:0-Erfolg gegen den Hamburger SV im Hannoveraner Niedersachsenstadion zum bislang letzten Mal Deutscher Meister wurde. Herausragend war auch seine Torquote. In 118 Spielen in der Oberliga West erzielte er satte 61 Treffer.

Schon zu seiner aktiven Zeit als Spieler erwies sich Siebert als sehr geschäftstüchtig und baute in seiner Freizeit eine Kiosk-Kette in Gelsenkirchen auf. Später kamen Lebensmittelläden dazu, die er im Ruhrgebiet und später ebenso in Kassel betrieb. Sein Geschäftssinn, gepaart mit einer ausgezeichneten Rhetorik, trugen 1967 entscheidend dazu bei, dass er Fritz Szepan als Präsident des FC Schalke 04 ablöste.

Siebert war damals der jüngste Vereinsboss der Bundesliga, was ihn jedoch nicht daran hinderte, vielen Kollegen ein Schnippchen zu schlagen. Mit klugen Personalentscheidungen und einem ausgeprägten Gespür für Talente, seinem sogenannten „Diamantenauge“, baute er ein Team auf, das 1972 für Furore sorgte. Stan Libuda, Klaus Fischer und Co. schwangen sich in der Liga zum Vize-Meister auf und gewannen zudem den DFB-Pokal.

Doch bevor die Knappen richtig durchstarten konnten, wurden sie von einer Dummheit eingeholt. Ihre Beteiligung am Bundesliga-Skandal geriet für die Mannschaft und den Verein zum Verhängnis. Spieler wurden gesperrt, Schalke verlor trotz Fertigstellung des Parkstadions seine hervorragende Ausgangslage.

Im Sommer 1976 war Siebert dann erst einmal Geschichte. Er wollte unter Präsident Dr. Karl-Heinz Hütsch bezahlter Manager werden, doch der Anwalt sägte den ehemaligen Meisterspieler ab. Keine zwei Jahre später kehrte er aber zurück und übernahm erneut das Präsidenten-Amt. Die Sorgen im und rund ums Parkstadion blieben. Siebert bekam die angespannte finanzielle Situation nicht in den Griff. Auch seine Spielerverpflichtungen brachten nicht den erhofften Schub. Im Dezember 1979 erklärte er seinen Rücktritt. Er baute sich mit „Oskar‘s Pub“ auf Gran Canaria eine neue Existenz auf. Zwar kehrte er Anfang 1987 noch einmal für 20 Monate auf seinen Posten zurück, ehe Siebert endgültig das Handtuch warf und sich ganz auf die kanarische Insel zurückzog.

Siebert war bis zuletzt Mitglied des königsblauen Ehrenpräsidiums. Der FC Schalke 04 wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren und ihn auf der Mitgliederversammlung am 25. Juni noch einmal würdigen.

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