Gazprom

25.06.2017

Christian Heidel: Aus Fehlern lernen

Auf der Mitgliederversammlung am Sonntag (25.6.) blickte Sportvorstand Christian Heidel auf eine sportlich schwierige Saison zurück, vor allem aber auch motiviert in die Zukunft. schalke04.de hat die wichtigsten Punkte seiner Rede unter anderem über Trainer, Team, Infrastruktur und die Ruhe im Verein zusammengefasst.

Christian Heidel über ...

… Wirtschaftlichkeit:

Das Umfeld der Bundesliga hat sich total verändert. Clubs wie Leipzig sind dazugekommen, andere Clubs werden großzügig fremdfinanziert oder verkaufen Anteile an Partner. Schalke ist gut aufgestellt, aber auch wir werden es ohne den einen oder anderen großen Transfer schwer haben, im Konzert der ganz großen mitzumischen. Natürlich erleichtert der Teilnahme an der Champions League viele Dinge. Aber aufgrund der überragenden Arbeit von Alexander Jobst und seinem Team ist es gelungen, die Sponsoring-Einnahmen zu steigern. Und das trotz Platz zehn in der Bundesliga. Die Sponsoren glauben an unseren Weg und haben uns trotz der teilweise schwierigen sportlichen Situation die Treue halten.

… die Ruhe im Verein:

Trotz großer sportlicher Probleme ist es gelungen, die Ruhe im Verein zu bewahren, im gesamten Club, in allen Gremien. Dies hat sich auf das Umfeld übertragen. Die Mitglieder und Fans haben den größten Anteil an dieser Ruhe auf Schalke. Ich war auf vielen Fantreffen und Veranstaltungen, auch nach den fünf Startniederlagen. Der Umgang miteinander und das Verständnis trotz der berechtigten Sorgen war für mich sehr beeindruckend. Ich habe verstanden, wie wichtig Schalke für alle Fans ist. Das gibt mir noch mehr Ansporn, alles dafür zu tun, dass Schalke wieder erfolgreich ist.

… die Infrastruktur:

Wenn man gewisse Dinge verändert, sieht man nicht morgen, sondern über- und überübermorgen Ergebnisse. Wir haben auf Schalke jeden Stein umgedreht. Die Infrastruktur war nicht mehr bundesligatauglich. Ab dem 1. August ziehen wir in das neue Profi-Leistungszentrum. Dabei geht es nicht um Wellness. Es geht um arbeiten, arbeiten von morgens bis abends. Wir haben alle Pläne für das Berger Feld überarbeitet. Nach der Fertigstellung werden wir auch über beste Bedingungen für unsere Knappenschmiede verfügen. Die Arbeit der Trainer und Verantwortlichen der Knappenschmiede ist gar nicht genug zu würdigen. Jetzt werden wir für die besten Jugend-Trainer auch die besten Rahmenbedingungen schaffen. Schalke wird näher zusammenrücken, Schalke gehört auf Schalke. Schalke gehört aufs Berger Feld. Wir arbeiten jetzt schon daran, dass die komplett neu aufgestellte Zweite Mannschaft ab Sommer ihre Spiele auf Schalke austragen wird. Wir haben die Scoutingabteilung runderneuert und bekommen wöchentliche gesammelte Informationen aus 25 Ligen Europas und den Rest der Welt. Wir haben die gesamte medizinische Abteilung reformieren müssen. Inzwischen werden unsere Spieler wieder auf Schalke betreut und behandelt.

… die Mannschaft:

Wenn man als FC Schalke 04 mit dem zehnten Platz abschneidet, kann man zur Erkenntnis kommen, dass die Mannschaft zu schlecht oder falsch zusammengestellt ist. Natürlich hat nicht jeder Spieler so eingeschlagen, wie wir uns das gewünscht haben. Sicher hätte ein erfahrener Spieler wie Konoplyanka auf dem Platz für mehr Aufsehen sorgen sollen und weniger vor einer TV-Kamera. Das war komplett daneben, und das weiß er inzwischen. Fast alle Neuzugänge zählten zum engeren Stamm oder zu den ersten 14 Spielern. Wir hatten aber auch acht Spieler, die monatelang ausgefallen sind. Und trotzdem haben wir eine Mannschaft, die trotz der Probleme besser hätte abschneiden müssen als Platz zehn.

… den Trainer:

Ich habe immer gesagt, dass der Trainer in einem Fußballverein der wichtigste Mann ist. Ich hätte es mit viel einfacher machen können und die Zusammenarbeit mit Markus Weinzierl, den ich persönlich sehr schätze, weiterführen können. Niemand hat aktiv eine Trainerentlassung gefordert. Ich wäre allen Diskussion aus dem Weg gegangen. Aber ich hätte gegen meine Überzeugung gehandelt. Für mich steht der Erfolg des Vereins an allererster Stelle. Ich stehe für Kontinuität – wenn ich sicher bin, dass diese Kontinuität zum Erfolg führen wird. Von 2001 bis 2016 hatte ich nur fünf Trainer. Ich habe nach dieser Saison überlegt, was das Beste für den Verein ist. Wir haben die Saison gemeinsam mit Markus Weinzierl bis ins kleinste Detail analysiert. Es wurde nichts schön geredet. Die Analyse ergab eindeutig, dass wir zurecht Zehnter wurden. Denn wir waren überall Mittelmaß. Eine einzige Ausnahme ist die Anzahl der Gegentore. Fakt ist auch, dass es keine positive Entwicklung in der Saison gab. Wir sprachen über Ideen, Möglichkeiten und Pläne, die uns das Gefühl geben, dass eine Wiederholung so einer Saison ausgeschlossen ist. Die Pläne haben mich nicht überzeugt. In mir ist der Entschluss gereift, dass an dieser Stelle Kontinuität nicht der richtige Weg ist. Wir haben jemanden gesucht, der mit diesen Problemen und Defiziten umgehen und sie lösen kann. Wir gehen jetzt einen neuen Weg mit einem jungen Trainer, der Taktik, Athletik, Kommunikation und soziale Kompetenz verinnerlicht hat. Der Weg zu Domenico Tedesco war nicht allzu weit. Wir waren nicht der einzige Verein, der diese Überlegung hatte, aber wir waren der schnellste Club. Die Gespräche mit Domenico haben mir das Gefühl gegeben, dass wir genau so einen Mann wie ihn brauchen. Er ist ein Workaholic, einer, der sich rund um die Uhr mit seinem Club, seinen Spielern und dem Gegner auseinandersetzt. Er wird Schalke leben. Wir werden nicht ruhen, bis Schalke 04 wieder da ist, wo der Verein hingehört. Wir werden noch ein paar Veränderungen an der Mannschaft vornehmen und dann wieder mit Breel Embolo und Leon Goretzka in eine spannende Saison gehen. Wir werden aus jedem Fehler lernen und unseren Weg weitergehen.