Gazprom

20.01.2014

Das Märchen von der KGaA

Ein neues Jahr beginnt man mit guten Vorsätzen. Wir beim FC Schalke 04 haben ebenfalls einen gefasst: besonders groben Unfug klar beim Namen zu nennen. Um diesen Vorsatz gleich zu Jahresbeginn in die Tat umzusetzen, bietet sich ein sehr anschauliches Beispiel an: das Märchen von der Umwandlung des FC Schalke 04 in eine KGaA.

Zu keinem Zeitpunkt haben Verantwortliche des Vereins auch nur den geringsten Gedanken verschwendet, die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien für unseren Club in Angriff zu nehmen oder dies gar auf der kommenden Jahreshauptversammlung auf die Tagesordnung setzen zu wollen. Dass dies für manche Schalker trotzdem beschlossene Sache zu sein schien, erklären jene so: Vorstand Peter Peters erklärte öffentlich, er wünsche sich eine möglichst hohe Teilnehmerzahl von Vereinsmitgliedern bei der nächsten JHV - und diese findet am 4. Mai 2014 statt. An einem Sonntag, vor allem aber am 110. Geburtstag unseres geilsten Clubs der Welt. Eine solche Terminierung müsse doch einem perfiden Hintergedanken entsprungen sein. Also kommt die KGaA, so die messerscharfe Schlussfolgerung.

So wenig Schalke 04 seine Vereinsfarben zu Schwarz-Gelb ändern wird, so wenig Wahrheitsgehalt ist an diesem Gerücht. Und doch muss es inzwischen den Status der Massenselbstsuggestion erreicht haben, wenn sich sogar der Schalker Fan-Club Verband genötigt sieht, sich an dieser Phantomdiskussion zu beteiligen. Wir hoffen, die Verschwörungstheoretiker sind nicht zu enttäuscht, dass wir diese nun beenden müssen.

Im vergangenen Jahr begegneten uns leider viele Themen, bei denen wir falschen Behauptungen nicht sofort energischer entgegen getreten sind. Anschauliche Beispiele gefällig? Da fällt uns sofort die angebliche Schließung des Vereinsmuseums ein. Öffentliche Erklärungen verurteilten die Maßnahme mit großen Worten, deren Wahrheitsgehalt - der lag so ziemlich bei Null - nicht ein einziges Mal durch Nachfrage beim Verein überprüft würde. Das Museum hat übrigens immer noch seine Pforten geöffnet.

Oder das Harry-hol-schon-mal-den-Wagen-Phänomen: Das berühmte Derrick-Zitat kennt jeder, es ist aber in der TV-Serie kein einziges Mal gefallen. Genauso verhält es sich mit dem Peter Peters zugeschriebenen Ausspruch "Schalke ist keine Demokratie". Hat unser Finanzvorstand nie gesagt. Wer das Gegenteil behauptet, der trete bitte den stichhaltigen Beweis an. Zugeschrieben wurde ihm das Statement dennoch nach einer Kartenausschusssitzung im Januar 2013. Dort hatte sich Peters mehrfach (!) ausdrücklich zu demokratischen Strukturen auf Schalke bekannt, lediglich eingeschränkt: "Wir sind aber nicht so demokratisch, dass wir die Mitglieder über jeden Sponsor und jeden Transfer abstimmen lassen können." Dass dies den Tatsachen entspricht, dafür genügt ein Blick in die Vereinssatzung.

Um mehr Demokratie wird es auf der nächsten Jahreshauptversammlung gehen. Die wollen wir immer wagen und deswegen bei jeder JHV möglichst vielen Vereinsmitgliedern den Besuch ermöglichen. Deshalb entscheidet sich der S04 bewusst für attraktive Termine. Den 110. Geburtstag zu feiern und gleichzeitig die Jahreshauptversammlung abzuhalten - diese Idee hatte übrigens ein Mitglied der aktiven Fanszene. Zu hinterfragen ist hingegen das Demokratieverständnis derer, die sich abfällig darüber äußern, dass zur JHV im vergangenen Jahr nicht wie "üblich" ca. 3000, sondern vielmehr rund 9000 SchalkerInnen gekommen sind. Besonders schäbig war in diesem Zusammenhang der Begriff "Stimmvieh", mit dem Schalker andere Schalker abzuqualifizieren versuchten.

Dabei legten die so Verunglimpften an jenem 29. Juni ein bemerkenswertes Demokratieverständnis an den Tag. Sie lehnten den Vertrag mit der Kartenbörse, deren Namen wir möglichst nie mehr nennen, ab und widersprachen klar der Auffassung der Vereinsvertreter. Und sie attestierten den Vereinsgremien durch eindeutige Mehrheiten bei den Abstimmungen zur Entlastung grundsätzlich gute Arbeit und widersprachen all jenen, die aufgrund des Kartenbörsenvertrags im übertragenen Sinne am liebsten die Vertrauensfrage für alle Gremien gestellt hätten.

Nutzen wir daher doch die kommenden Monate dazu, uns Gedanken zu machen, wie wir den FC Schalke 04 als eingetragener Verein mit seiner Satzung bewahren und ausbauen können. Kluge königsblaue Köpfe gibt es genug. Hirngespinste wie die KGaA vernebeln hingegen nur und verhindern einen klaren Gedankengang.

Tags: JHV, KGaA, Schalke

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