3:3 gegen den HSV: Knappen erkämpfen Punkt in turbulenter Partie
Dass mit dem HSV der derzeit beste Sturm der Liga in der VELTINS-Arena zu sehen sein würde, stand vor der Partie fest. Dass die Hanseaten zur Halbzeitpause mit 2:0 in Führung liegen würden, hatte die beste Abwehr der Liga trotzdem kaum erwartet. Dank eines Schalker Wirbels im zweiten Durchgang wehte letztlich nur ein Punkt gen Hamburg.
"Es war ein großes Spiel für alle Beteiligten" sagte Chef-Trainer Felix Magath nach 93 turbulenten Minuten. Bis dahin waren die königsblauen Nerven jedoch einem harten Belastungstest unterzogen worden. Donnerstagabend (22.10.) hatte das Team von Chef-Trainer Bruno Labbadia noch in der Europa League bei Celtic Glasgow gespielt. Um möglicherweise müde Gästebeine unter Druck zu setzen, bot Magath mit Halil Altintop, Jefferson Farfan und Kevin Kuranyi gleich drei Stürmer auf. Entsprechend druckvoll begannen die Knappen, testeten die Fitness der Gäste-Defensive gleich mehrfach und hätten auch mindestens eine Chance zur Führung nutzen müssen.
Umso überraschender fiel der erste Treffer auf der Gegenseite. Bergs 1:0 in der 26. Spielminute brachte das Schalker Offensivspiel durcheinander und ließ auf die Pause zur Gedankenordnung hoffen. Doch kurz vor Abpfiff der ersten Halbzeit legte der HSV nach: Trochowskis Freistoßtor zum 2:0 für die Gäste (45.) erlaubte eigentlich nur noch wenig Raum für Punkte-Träumereien. "Wir haben Fehler in der eigenen Hälfte gemacht, die vermeidbar waren", meinte Magath. "Wenn man da energischer in die Zweikämpfe geht, fällt auch kein Gegentor."
Zu Beginn des zweiten Durchgangs schien sich der Trend fortzusetzen. Die Hanseaten drückten, während die Schalker Abwehr gleich zu zwei Rettungsaktionen gezwungen war. Doch diesmal waren es die Hausherren, die aus dem Nichts trafen. Kevin Kuranyis Anschlusstreffer zum 1:2 (50.) zündete nicht nur den Antrieb der Königsblauen, sondern schob auch den Lautstärkeregler in der VELTINS-Arena ruckartig nach oben.
Angefeuert von den Fans berannten die Knappen das Hamburger Tor und wurden im Falle von Kevin Kuranyi regelwidrig gestoppt. Rozehnals Notbremse einen Meter vor der Strafraummarkierung (61.) ahndete Schiedsrichter Gräfe mit Rot. Das dezimierte nicht nur die Gäste, sondern eröffnete Marcelo Bordon eine hervorragende Freistoßchance. Den Abpraller von HSV-Keeper Rost köpfte Lukas Schmitz zum umjubelten Ausgleich ins Netz. Zwei Tage nach seiner Vertragsverlängerung bescherte sich der 21-Jährige selbst mit seinem ersten Treffer im S04-Trikot.
Gegen zehn Hamburger winkten nun sogar drei Punkte, doch mitten in die königsblauen Angriffe setzten die Gäste einen schmerzhaften Konter, den Berg zur erneuten HSV-Führung abschloss (80.). Wieder gab sich die Mannschaft von Felix Magath nicht auf und belohnte sich mit dem späten Ausgleich durch Kuranyi in der 90. Minute.
Hatte Magath noch von einem großen Spiel gesprochen, zeigte er sich schließlich enttäuscht über das Ergebnis. "Wir sind zurückgekommen und haben uns mehr Chancen erarbeitet, aber der HSV war die reifere und cleverere Mannschaft. Deshalb müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein."
Auch Bruno Labbadia wollte mit der Punkteteilung nur gezwungenermaßen leben: "Wir haben eine sensationelle Moral gezeigt, aber versäumt, nach dem 2:0 das dritte oder vierte Tor zu machen. Schalke hat aber die Qualität, über hohe Bälle zu Möglichkeiten zu kommen, deswegen hat es am Ende nicht gereicht."
Während die Hanseaten weiter auf dem zweiten Tabellenplatz verweilen, rutschten die Knappen von Rang drei auf vier hinter Werder Bremen.
Schalke: Neuer - Rafinha, Zambrano, Bordon, Westermann - Mineiro (46. Rakitic) - Moritz, Schmitz (77. Kenia) - Altintop (82. Asamoah) - Farfan, Kuranyi
Hamburg: Rost - Demel, Rozehnal, Mathijsen, Aogo - Jarolim (71. Tavares), Ze Roberto - Trochowski (90.+4 Tesche), Elia - Pitroipa (64. Boateng), Berg
Tore: 0:1 Berg (26.), 0:2 Trochowski (45.), 1:2 Kuranyi (50.), 2:2 Schmitz (62.), 2:3 Berg (80.), 3:3 Kuranyi (90.)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Rote Karte: Rozehnal (61./Notbremse)
Gelbe Karten: Bordon (2), Zambrano (4) - Mathijsen (2), Elia, Jarolim