Die Knappen dürfen sich weiterhin Hoffnungen auf Einzug ins Achtelfinale der UEFA Champions League machen. Im Heimspiel gegen Fenerbahce siegten die Schalker nach Toren von Kevin Kuranyi (32.) und Ebbe Sand (91.) mit 2:0, taten sich aber trotz starker erster Halbzeit nach zwei Platzverweisen gegen den türkischen Meister lange Zeit sehr schwer.
Auf zwei der drei nach dem Bundesligaspiel in Hamburg angeschlagenen Spieler konnte Trainer Rangnick zurückgreifen: Rafinha und Levan Kobiashvili standen den Knappen zur Verfügung, doch Sören Larsen gehörte aufgrund einer Zerrung nicht einmal zum 18er-Kader, den dafür der A-Jugendliche Sebastian Boenisch vervollständigte. Hinsichtlich der Taktik entschied sich Trainer Rangnick für Veränderungen: Kevin Kuranyi lief als einzige Spitze auf, welche aber immer wieder von den offensiven Mittelfeldspielern Hamit Altintop, Lincoln sowie Kobiashvili Unterstützung erhielt. Abgesichert wurde dieses Trio durch das defensive Tandem Christian Poulsen und Fabian Ernst.
Von Beginn an machten die Schalker klar, dass sie sich diesmal ganz anders als noch im DFB-Pokal bei Eintracht Frankfurt oder in der Bundesliga beim HSV präsentieren wollten. Mit der nötigen Aggressivität gingen sie in die Zweikämpfe, spielten in Ballbesitz konsequent nach vorn. So gab es gleich in der ersten Minute die erste Torszene, als Kobiashvilis abgefälschter Schuss knapp am Tor vorbei ging.
Dann rückte Torhüter Volkan in den Mittelpunkt, der gewisse Unsicherheiten zeigte, aber auch gut reagierte, etwa beim Kopfball von Lincoln (13.). Die Gäste wurden nur bei einem Kopfball von Önder nach einer Ecke gefährlich (23.). Doch die Schalker kamen der verdienten Führung durch ihr druckvolles Angriffsspiel von Minute zu Minute näher. In der 29. Minute gab es innerhalb weniger Sekunden gleich zwei Riesenchancen: Zunächst schloss Kobiashvili eine traumhafte Kombination über Kuranyi und Lincoln ab, doch der Georgier traf nur Fenerbahce-Innenverteidiger Fabio. Dann fand Lincolns Flanke den völlig freien Kobiashvili. Dessen Schuss aus 12 Metern war jedoch nicht hart genug, Volkan hielt. Drei Minuten später war es endlich so weit: Rosts langen Ball leitete Poulsen per Kopf auf Lincoln weiter. Dessen Flanke aus halblinker Position köpfte Kuranyi aus elf Metern zum 1:0 ins linke Eck (32.). Bis zur Pause nahm das Spiel nun noch mehr an Fahrt auf, denn nach einer Notbremse gegen Lincoln sah Fabio Luciano kurz vor dem Wechsel die rote Karte (41.).
14:3 Torschüsse und 61 Prozent Ballbesitz sprachen zur Halbzeit eine deutliche Sprache für die Schalker Überlegenheit. Aber nun galt es in der zweiten Hälfte, das Spiel endgültig zu entscheiden. Die erste Chance bot sich Lincoln, doch dessen freier Schuss aus 18 Metern zielte genau auf Volkan. Dann musste Marco Aurelio nach einer Flanke von Hamit Altintop vor dem einköpfbereiten Kuranyi klären (53.). Und die Vorentscheidung schien gefallen, als Marco Aurelio gegen Kuranyi „den Socken drüberhielt“ und die gelb-rote Karte sah (55.).
Schalke nun zwei Mann mehr, doch mit dieser Ausgangslage taten sie sich sichtlich schwerer als bei elf gegen elf: Angesichts der eigenen Führung mochte man nicht alles riskieren, während die Fans, die die Mannschaft bis dahin großartig unterstützt hatten, nun immer ungeduldiger das zweite Tor einforderten.
So schlich sich eine gewisse Unsicherheit ins Spiel, von der Fenerbahce fast profitiert hätte: Als Anelka in der 85. Minute Marcelo Bordon versetzt hatte, versprang dem Weltmeister von 1998 der Ball, als er den völlig freien Appiah anspielen wollte. Erst in der Nachspielzeit hatte das Schalker Zittern ein Ende. Auf Flanke von Rafinha, der kurz zuvor die dritte gelbe Karte gesehen hatte und damit im Heimspiel gegen den PSV Eindhoven gesperrt ist, köpfte Ebbe Sand das erlösende 2:0.
Nach den letzten schwachen Auftritten hatten die Schalker eine enorme Leistungssteigerung gezeigt und aufgrund der hervorragenden ersten Spielhälfte völlig verdient mit 2:0 gewonnen. Damit halten sich die Königsblauen in der Gruppe E der Champions League alle Möglichkeiten offen, auch wenn der Heimsieg des PSV Eindhoven gegen den AC Mailand für einen spannenden Zieleinlauf sorgen wird.
Schalke 04 - Fenerbahce Istanbul 2:0 (1:0)
Schalke: Rost - Rafinha, Bordon, Rodriguez, Krstajic - Ernst (82. Varela), Poulsen - Altintop (64. Sand), Kobiashvili - Lincoln - Kuranyi (90.+2 Bajramovic). - Trainer: Rangnick
Istanbul: Volkan - Serkan, Fabio Luciano, Önder, Ümit - Appiah, Selcuk, Aurelio - Nobre (46. Mehmet) - Tuncay, Anelka. - Trainer: Daum
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)
Tore: 1:0 Kuranyi (32.), 2:0 Sand (90.+1)
Zuschauer: 53.993 (ausverkauft)
Rote Karte: Fabio Luciano nach einer Notbremse (40.)
Gelb-Rote Karte: Aurelio wegen wiederholten Foulspiels (55.)
Gelbe Karten: Rafinha (3) - Ümit, Tuncay