Es war ein Fußballkrimi, der mit überschäumendem Jubel vor der Gästekurve im Estadio do Dragao endete: Mit einem 4:1 im Elfmeterschießen gegen den FC Porto zogen die Knappen ins Viertelfinale der Champions League ein! Nach 120 Minuten hatten die Hausherren den Schalker Vorsprung aus dem Hinspiel durch den Treffer von Lisandro Lopez (86.) ausgeglichen. "Das ist ein außergewöhnlicher Erfolg für Verein und Mannschaft", sagte Trainer Mirko Slomka nach dem Abpfiff.
Diesen hatten sich die Schalker hart erarbeitet und einiges Glück des Tüchtigen und vor allem einen überragenden Manuel Neuer benötigt. Aber der Reihe nach: Möglichst ein Tor selbst erzielen, aber vor allem keines kassieren: Mit dieser Vorgabe hatte Slomka eine 4-4-1-1-Formation ins Spiel geschickt, in die Halil Altintop als hängende Spitze zurückkehrte. Er sollte zusätzlich das Aufbauspiel der Hausherren stören. Eine Aufgabe, die Altintop mit unermüdlichem Einsatz und großem Laufpensum erledigte.
Doch schon in der ersten Halbzeit hätten die Gastgeber Kevin Kuranyis Tor aus der VELTINS-Arena ausgleichen können. Bei den beiden Großchancen von Lisandro Lopez (12.) und Tarek Sektioui (13.) reagierte Neuer bereits glänzend. "Es war ein sehr starker Gegner, technisch und in der Entwicklung des Spiels nach vorn. Das hat uns vor einige Probleme gestellt", stellte Slomka fest. "Auch wenn wir Chancen zugelassen haben, haben wir gerade in der Viererkette sehr gut gespielt."
Bis zum Halbzeitpfiff ließ Schalke 04 dann nur noch wenig zu, auch wenn man sich keine eigenen Möglichkeiten erarbeiten konnte. Nach der Pause war es wieder Sektioui, der die Führung für Porto hätte markieren müssen. Neuer wehrte aus kürzester Distanz mit dem Fuß ab (57.). Aber auch die Hausherren ließen nun unmerklich Lücken und hatten einmal Riesenglück: Der zu weit aus seinem Tor geeilte Helton wehrte einen Schuss von Altintop aufs leere Gehäuse außerhalb des Strafraums ab. Doch den nach den Regeln fälligen Platzverweis gab es nicht (66.). Wie überhaupt Schiedsrichter Howard Webb sich nicht nur mit seinen Pfiffen viel Zeit ließ, sondern auch Körperkontakte mit Ricardo Quaresma grundsätzlich mit einem Freistoß bestrafte.
Eine Entscheidung des Engländers schien das Duell dennoch zugunsten von Schalke entschieden zu haben. Fucile für seine Attacke gegen Levan Kobiashvili mit einer Roten Karte zu ahnden, war ebenfalls eine harte Entscheidung (83.). Doch kurz darauf erzwang Lisandro Lopez mit einem tollen Tor aus 14 Metern zum 1:0 die Verlängerung (86.). Der eingewechselte Gerald Asamoah hatte kurz vor dem Abpfiff der regulären Spielzeit die beste Möglichkeit zum erlösen S04-Treffer, scheiterte aber an Helton.
"Wir haben unser Ziel fast erreicht, haben 86 Minuten sehr gut gespielt", befand Slomka, der in der Pause der Verlängerung vor allem gegen den psychologischen Schock anreden musste: "Jeder konnte sehen, dass es nach den 0:1 ein paar hängende Köpfe gegeben hat, obwohl noch nichts verloren war. Wir mussten die Mannschaft wachrütteln, ihr sagen, dass die Chance lebt."
Und Neuer musste auch in der Verlängerung mit einer Weltklasseparade ein weiteres scheinbar sicheres Tor verhindern. Quaresma fing einen Querpass ab, hatte alle Optionen - doch der Schalker Torhüter wehrte erneut mit dem Fuß ab (102.). Selbst in Unterzahl wirkte der FC Porto in der Verlängerung vor allem dank des Trios Lucho Gonzalez, Lisandro Lopez und Ricardo Quaresma immer gefährlich. "Wir haben mit viel Charakter gespielt. Ich bin sehr stolz auf meine Spieler", stellte Portos Coach Jesualdo Ferreira später zurecht fest.
So musste sich Schalke damit begnügen, das Elfmeterschießen zu erreichen. In diesem behielten die Knappen trotz des ohrenbetäubenden Lärms der 45.000 Zuschauer die Nerven. Und nach den beiden von Neuer gehaltenen Strafstößen wurde es sehr still. Als Jermaine Jones den entscheidenden Strafstoß zum 4:1 verwandelt hatte, spendeten die Hausherren großen und berechtigen Beifall für das eigene Team. In der Schalker Fankurve spielten sich derweil turbulente Szenen ab. Euphorisierte Spieler und Fans feierten enthusiastisch und miteinander einen ganz großen internationalen Erfolg. "Wir können auf ein Spiel zurückblicken, über das man noch lange sprechen wird", sagte Slomka zum Abschluss. Wenn am 14. März in Nyon das Viertelfinale der Champions League ausgelost wird, ist der FC Schalke 04 dabei!
Porto: Helton - Bosingwa (54. M. Gonzalez), Alves, Pedro Emanuel, Fucile - Paulo Asuncao, Meireles (97. Cech) - L. Gonzalez - Sektioui (58. Farias), Lopez, Quaresma
Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon (115. Höwedes), Krstajic, Westermann - Ernst, Jones - Grossmüller (111. Rakitic), Kobiashvili - Altintop - Kuranyi (78. Asamoah)
Tor: 1:0 Lopez (86.)
Elfmeterschießen: 0:1 Rafinha, 1:1 L. Gonzalez, 1:2 Rakitic, Neuer hält gegen Alves, 1:3 Altintop, Neuer hält gegen Lopez, 1:4 Jones
Schiedsrichter: Webb (England)
Zuschauer: 45.316
Rote Karte: Fucile (83./grobes Foulspiel)
Gelbe Karte: Lopez - Kuranyi, Jones, Westermann