Der Rahmen in der VELTINS-Arena stimmte, Einsatz und die Leidenschaft auch, doch zu große Ehrfurcht vor dem Wechsel kostete Schalke 04 im Viertelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona eine bessere Ausgangslage für die zweite Partie im Camp Nou. Dort müssen die Knappen nun am 9. April eine 0:1 (0:1)-Niederlage wettmachen, wenn sie den Sprung ins Halbfinale noch schaffen wollen.
Gegenüber dem Bundesligaspiel beim Karlsruher SC hatte Trainer Mirko Slomka nur eine Änderung vorgenommen: Die Aufgabe des gesperrten Jermaine Jones im Mittelfeld übernahm Levan Kobiashvili. Ohne das neue "Kampfschwein" konnten die Knappen vor dem Wechsel jedoch keine Akzente setzen. "In der ersten Halbzeit sind wir viel zu respektvoll an die Sache herangegangen. Wir haben den Fehler gemacht, sie ins Spiel kommen zu lassen", stellte Trainer Slomka zu Recht fest. So war die Pausenführung durch das spielstarke Jungtalent Bojan Krkic absolut verdient, der nach ungehinderter Vorarbeit von Andres Iniesta und Thierry Henry abstauben durfte (12.).
"Das Gegentor sagt alles aus: Wir waren im Mittelfeld zu weit weg, haben den Pass nicht verhindert, haben die Lücke dafür aufgemacht, hätten den ersten Schuss besser abwehren können und beim Abpraller aufmerksamer sein können", listete der Coach die Fehlerkette auf. Schalkes Fans taten ihr bestes auf den Rängen, feuerten das Team immer wieder an, doch echte Ausgleichschancen gab es nicht. Bis zum Pausenpfiff war der Plan von Barcelonas Coach Frank Rijkaard somit aufgegangen: "Gerade in der Anfangsphase haben wir sehr gut über die Flügel gespielt, Druck erzeugt und den Gegner zu Ballverlusten gezwungen", stellte der Niederländer fest.
Doch das änderte sich nach dem Wechsel. "Natürlich wäre es schön gewesen, das hohe Niveau zu halten, aber unser Aufwand in der ersten Halbzeit war sehr hoch. Im Laufe der Zeit sind unsere Kräfte geschwunden", erklärte der Europameister von 1988 den nun festzustellenden Leistungsknick bei den Gästen. Das lag indes nicht zuletzt daran, dass die Königsblauen die richtigen Konsequenzen aus dem ersten Durchgang gezogen hatten. "Durch unser früheres Attackieren ihrer Viererkette mussten sie lange Bälle schlagen, die dank unserer Kopfballstärke bei uns landeten. Dadurch konnten wir Druck aufbauen", so Slomka. "Die zweite Halbzeit von uns war entschieden besser. Wir hatten sehr viele gute Möglichkeiten - auch durch Kopfbälle, so, wie wir es wollten. Wir hätten sicherlich den Ausgleich verdient gehabt, aber der ist uns leider nicht gelungen."
Tatsächlich scheiterten Gerald Asamoah (70.), Halil Altintop (71.), Søren Larsen (78.) jeweils nur ganz knapp, wollte ganz Schalke nach Abidals Einsatz beim freien Kopfball von Westermann Elfmeter (80.). Frenetisch forderten die Fans nun zumindest den Ausgleich ein, doch der fiel nicht. Auch Bordon und noch einmal Larsen brachten den Ball bei ihren Kopfbällen in der Nachspielzeit nicht im gegnerischen Tor unter. "Die zweite Halbzeit hat gezeigt, dass wir auch in Barcelona eine Chance haben", befand Slomka: "Selbst wenn uns der Ausgleich gelungen wäre, hätten wir in Barcelona ein Tor erzielen müssen. Ein Treffer für uns dort kann viel verändern. Die Aufgabe wird nicht leicht, aber wir werden es versuchen."
Schalke: Neuer - Rafinha, Bordon, Krstajic, Westermann - Ernst, Kobiashvili - Asamoah (74. Larsen), Pander - Kuranyi (60. Sanchez), Altintop (88. Løvenkrands)
Barcelona: Valdes - Zambrotta, Puyol, Milito, Abidal - Xavi, Toure (74. Marquez), Iniesta - Eto´o (82. Giovani), Krkic (86. Sylvinho), Henry
Schiedsrichter: Vassaras (Griechenland)
Tor: 0:1 Krkic (12.)
Zuschauer: 53.951 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Pander (2), Larsen, Ernst, Krstajic - Milito, Giovani, Marquez, Puyol