So viel Medieninteresse haben die Knappen noch nicht erlebt. Der Tagungsraum des Mannschaftshotels "Miramar" war rappelvoll. 14 Kameras und rund zwei Dutzend Mikrophone waren aufgebaut, um die Ausführungen von Chef-Trainer Mirko Slomka und Halil Altintop vor dem Viertelfinalrückspiel der Knappen am Mittwoch (9.4., live auf Premiere und Sat1, Ticker auf schalke04.de) in der Champions League beim FC Barcelona festzuhalten.
Ungeachtet des großen Ballyhoos präsentierte sich Mirko Slomka zwar fokussiert aber auch gelöst vor dem großen Spiel am Mittwoch. Die Bedeutung der Partie fasste der Schalker Chef-Trainer wie folgt zusammen. "Das Beste für einen Fußballer sind immer Titel." Und deshalb sei der UEFA-Cup-Sieg 1997 sicherlich höher anzusiedeln als ein Weiterkommen gegen den FC Barcelona. "Das wäre natürlich ein großer Schritt aber eben kein Titel. Da müssen wir noch ein Stückchen weitergehen."
Wie man das Star-Ensemble knacken kann, habe die Mannschaft in der zweiten Halbzeit des Hinspiels gezeigt. "Wir haben gegen eine kombinationssichere und meist über das Zentrum agierende Mannschaft richtig gut gespielt", meint Slomka, der seine These mit Zahlen untermauern kann. In der zweiten Halbzeit wies die Statistik 16:1 Torschüsse für die Knappen aus, die im gesamten Spiel nur fünf Torschüssen und drei Flanken von Xavi, Iniesta und Co. zugelassen hatten. Slomkas Fazit: "Auch hier in Barcelona geht was."
Am 0:0 gegen Getafe vom vergangenen Sonntag will sich der Chef-Trainer der Königsblauen indes kein Beispiel nehmen. "Auch wenn die Mannschaft gut gegen Barca gespielt hat, dieses Ergebnis reicht uns nicht. Wir müssen mindestens ein Tor schießen." Überhaupt wehrt sich Slomka dagegen, dem Gegner eine Krise anzudichten. Barca habe noch keine CL-Partie in dieser Saison verloren und ist bei neun Vergleichen sieben Mal als Sieger vom Platz gegangen.
Im Zusammenhang mit einem Weiterkommen der Knappen von einem "Wunder" zu sprechen, möchte Mirko Slomka jedoch ebenso wenig. "Der Begriff ist mir zu weit hergeholt. Mir gefällt folgende Formulierung besser: Die Zuschauer sollen sich an Heldentaten erfreuen. Wenn alle unsere Spieler 100 Prozent abrufen und einzelne Spieler, wie zum Beispiel Halil, herausstechen, können wir das Spiel für uns entscheiden."
Um die Mannschaft auf das Highlight im Camp Nou richtig einzustimmen, wird es wieder einen Film geben, der dem Team am Spieltag gezeigt wird. Vor dem Rückspiel gegen Porto enthielt der Zusammenschnitt Szenen von einem Muhamed-Ali-Kampf und dem 3:3 des FC Liverpool im Champions-League-Finale 2005 gegen den AC Mailand. Damals hatten die Engländer zur Pause bereits mit 0:3 gegen die Italiener zurückgelegen, in den zweiten 45 Minuten die Partie gedreht und schließlich im Elfmeterschießen gewonnen.
Der Film verfehlte in Porto seine Wirkung nicht. Die Knappen setzten sich ebenfalls im Elfmeterschießen gegen die Champions-League-Sieger von 2004 durch. Zwar wollte Slomka noch nicht verraten, welche Szenen in dem Film für das Barcelona-Spiel vorkommen, er ließ aber zumindest durchblicken: "Das Video, das wir morgen zeigen, ist noch besser."
Personell sieht es für die Knappen wie folgt aus: Noch kein Thema sind die langzeitverletzten Zlatan Bajramovic, Ivan Rakitic, Zé Roberto und Markus Heppke sowie Peter Lövenkrands, der bei seiner schwer kranken Tochter in Schottland weilt. Fraglich sind zudem Heiko Westermann (Knöchelverletzung), Christian Pander (Adduktorenprobleme) und Mladen Krstajic (Knieprobleme). Slomka: "Bei ihnen können wir erst am Mittwoch sagen, ob sie spielfähig sind."