3. Runde, 19. November 1996, Olympiastadion Brügge
FC Schalke 04: Lehmann - Thon - Müller, Dooley, Linke - Latal, Nemec, Wilmots, Büskens - Max, Mulder
FC Brügge: Verlinden - de Brul (45. Lembi), Medved, Renier, Borkelmans - Deflandre, van der Elst, Verjans - Verheyen, Stanic, Spehar
Tore: 1:0 Stanic (35.), 1:1 Mike Büskens (51.), 2:1 Spehar (59.)
Gelbe Karten: Deflandre(2), Spehar(2), Stanic, van der Elst / Wilmots, Müller(2), Lehmann
Zuschauer: 12.000
Auf schneebedecktem und schwer bespielbarem Boden zog sich der FC Schalke 04 beim Belgischen Spitzenreiter Club Brügge achtbar aus der Affäre und erzielte mit der 1:2 Niederlage ein ansprechendes Ergebnis.
Trainer Huub Stevens mußte auf Marco Kurz verzichten und gab dem kampfstarken Mike Büskens den Vorzug vor Ingo Anderbrügge auf der linken Außenbahn. Tom Dooley spielte Manndecker und Andi Müller stopfte zusammen mit dem neu ins Team gekommenen Jiri Nemec die Löcher im Mittelfeld.
Erst 13 Minuten vor dem Anpfiff entschied Schiedsrichter Ceccarini (ITA), daß die Partie überhaupt stattfand. Stundenlange Regenfälle und ein einsetzender Schneesturm hätten eine Austragung fast unmöglich gemacht.
So war dann auch kein gutes Spiel möglich, wohl aber eines, in dem um jeden Zentimeter Boden gekämpft wurde. Die erste Chance hatten die Belgier, doch ein Fernschuß von Deflandre ging knapp neben das Tor.
Schalke versteckte sich nicht, sondern nahm den Kampf an und fand so auch zu einem gelungenen Spielaufbau. Sie schienen zunächst mit den Platzverhätnissen besser zurecht zu kommen als Brügge, was auch zu drei hochkarätigen Chancen durch Max, Dooley und Latal führte. Besonders Max hatte Pech, als sein Schuß gegen den Pfosten prallte und dann im Schneematsch liegen blieb.
Die Blauen hatten das Spiel eigentlich im Griff, als ein Befreiungsschlag von Andi Müller mißlang. Der Ball wurde auf den langen Pfosten geschlagen, wo Stanic unhaltbar für Lehmann einköpfen konnte. Stanic sollte eigentlich schon an den AC Parma verkauft worden sein, spielte aber überrschenderweise doch.
Von da an wurden die Belgier etwas stärker und versuchten immer wieder mit hohen Bällen in den Strafraum die Schalker Abwehr zu knacken. Doch die stand sicher und konnte sich sogar ab und an befreien und einige gefährliche Konter fahren. Besonders Martin Max muß man dabei ein großes Kompliment machen. Er war immer anspielbar und kam erstaunlich gut mit den Platzverhältnissen zurecht.
Die ca. 4000 mitgereisten Schalker Anhänger feuerten ihr Team trotz des Rückstandes frenetisch an, was sich dann in der zweiten Halbzeit auszahlen sollte. In der 50.Minute wurde Radek Latal im Strafraum gelegt und der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Da Ingo Anderbrügge auf der Bank saß schritt Olaf Thon zur Ausführung - und scheiterte mit einem Flachschuß an Torwart Verlinden. "Ich hätte bei den Platzverhältnissen voll draufhalten sollen", so Thon später. Thon hatte aber nicht lange Zeit zum grübeln denn er mußte die nachfolgende Ecke ausführen. Der Ball wurde per Kopf abgewehrt und kam zu Mike Büskens, der mit einem Sonntagsschuß in den Winkel den vielumjubelten und hochverdienten Ausgleich erzielte. "Ich hatte in dieser Situation nur zwei Möglichkeiten", so Büskens, "Eckfahne oder Winkel - da hab ich mich für den Winkel entschieden".
Ein Tor, daß nicht nur sehr schön war, sondern auch in 14 Tagen noch einmal Gold wert sein kann. Das Unentschieden konnten die Knappen jedoch nicht halten. Brügge wurde immer stärker und es gab immer mehr gefährliche Situationen im Schalker Strafraum. Schon in der 59.Minute erzielte dann Stehar mit einem gelungenen Heber über Lehmann hinweg das 2:1.
In der Folgezeit erstickten die Bemühungen beider Mannschaften an den zunehmend schlechter werdenden Platzverhältnissen. Martin Max hatte jedoch kurz vor Schluß sogar noch das 2:2 auf dem Fuß.
Am Ende sprang ein gerechtes Ergebnis heraus, das dem FC Schalke für das Rückspiel in 14 Tagen alle Chancen offen lässt. "Wir haben es selbst in der Hand", so Youri Mulder.
Neben dem oben erwähnten Martin Max gefiel vor allen Dingen Mike Büskens, für den der Platz wie gemacht war. Sein Einsatz und seine Zweikampfstärke waren vorbildlich und nicht nur wegen seinem Tor war er an diesem Abend der beste Schalker.
Trainer Stevens war mit dem Ergebnis ebenfalls zufrieden, da man das geschafft hat, was man sich vorgenommen hatte - nämlich ein Tor zu schießen. "Jedoch wird das Rückspiel sehr schwer", so der Trainer, der die Mannschaft langsam aber sicher wieder auf den Erfolgsweg zurück zu führen scheint.