Halbfinale, 22. April 1997, Parkstadion Gelsenkirchen
FC Schalke 04: Lehmann - Thon - de Kock, Linke - Eigenrauch, Nemec, Müller, Anderbrügge (90. Wagner), Büskens - Wilmots, Latal (110. Held)
CD Teneriffa: Andersson - Motaung, Ballesteros, Mata, Alexis - Felipe, Chano, Jokanovic, Paz (59.Dani) - Pinilla (98. Vidmar), Kodro (73. Neuville)
Tore: 1:0 Thomas Linke (68.), 2:0 Marc Wilmots (107.)
Gelbe Karten: Wilmots(3), Büskens, Latal - Alexis, Mata
Schiedsrichter: Sandor Puhl (Ungarn)
Zuschauer: 56.824 (ausverkauft)
Der FC Schalke 04 hat mit einem hochverdienten 2:0 nach Verlägerung gegen CD Teneriffa das 0:1 aus dem Hinspiel wettgemacht und steht nun erstmals in der 93 jährigen Vereinsgeschichte im Finale eines europäischen Wettbewerbs.
Was kaum jemand zu hoffen gewagt hatte, ist doch noch eingetreten. Trotz der sehr dünnen Personaldecke konnten sich die Blauen mit einem Kraftakt verdientermaßen gegen die recht harmlosen Spanier durchsetzen.
Trainer Stevens brachte die erwartete Anfangsformation - er hatte keine andere Wahl - und stellte sein Team vor allen Dingen auf Geduld ein. "Notfalls reicht auch ein Tor in der 89. Minute, um die Verlängerung zu erreichen", so der Erfolgscoach vor seinem größten Triumph.
Die fast 57.000 Zuschauer verwandelten das restlos ausverkaufte Parkstadion schon vor dem Spiel in ein Tollhaus und warteten auf den Sturmlauf ihrer Königsblauen. Dieser war jedoch in den ersten 30 Minuten kaum zu erkennen. Abtasten und Vorsicht waren die vorrangigen Aktionen auf dem Platz, was zu keinerlei Chancen auf beiden Seiten führte.
Das der FC Schalke 04 diese spanische Mannschaft nicht mit spielerischen Mitteln aushebeln konnte war klar und deshalb besannen sich die Mannen um Libero Olaf Thon auf ihre größte Stärke, der Kampfkraft. Ab der 30 Minute wurde das Tor von Kennet Andersson belagert und schon sprangen einige Chancen heraus, die jedoch allesamt am Tor vorbei strichen. Besonders durch Standardsituationen waren die Schalker gefährlich und das Eckballverhältnis von 9:1 in der ersten Halbzeit zeigte nun deutlich, wer das Heft in der Hand hielt.
Das 0:0 zur Pause lies natürlich noch alle Chancen, jedoch mußte man noch mehr riskieren, wollte man die Verlängerung erreichen. In der 68. Minute war es dann endlich soweit. Nachdem Kodro einen Kopfball von Linke gerade noch von der Linie kratzen konnte, verwandelte der selbe Spieler den anschließenden Eckball von Thon per Kopf zum vielumjubelten 1:0.
Nun war also der erste Schritt getan und alles schien auf eine Verlängerung hinzudeuten. Trotzdem versuchten die Blauen weiterhin das Spiel zu machen und hatten durch Wilmots und Anderbrügge sogar noch die Chancen zur vorzeitigen Entscheidung.
Nach 90 Minuten blieb es jedoch beim 1:0 und es war erstmal Zeit zum durchatmen.Was dieses Team bis dahin geleistet hatte, war schon aller Ehren wert. Auch in der Verlängerung wurden die Zweikämpfe noch angenommen und dank der besseren Kraftreserven auch zumeist gewonnen. "Wir wußten, daß wir kräftemässig stärker sind, als die Spanier, das haben wir auch schon im Hinspiel gemerkt", gab Huub Stevens ein Lob an seine Spieler weiter.
Eine Verlängerung ist meistens nicht sehr ansehnlich, doch was die Schalker in der zusätzlichen halben Stunde boten, war wirklich bemerkenswert. Dachte der ein oder andere Zuschauer schon mit Schrecken an das bevorstehende Elfmeterschießen, wollten die Blauen die Entscheidung voher:
In der 107. Minute dann die Erlösung für Millionen Fußballfans: Marc Wilmots köpfte einen Freistoß von Olaf Thon aus 5m unhaltbar in die Maschen und ganz Schalke lag ihm zu Füßen. Eine Jubelorgie in Blau und Weiß die jedoch der Coach schnell bremsen mußte. "Es waren noch 15 Minuten zu spielen", so Stevens, "und mit einem Tor der Spanier wären wir ausgeschieden".
Das es nicht so kam, war mehr als gerecht. Vergleicht man beide Spiele dieses packenden Halbfinales, dann ist Schalke unzweifelhaft der verdiente Finalteilnehmer. Das mußte dann auch Teneriffas Coach Jupp Heynckes schweren Herzens anerkennen.
Das Stadion verwandelte sich in ein Blau-Weißes Jubel-Meer und selbst die beiden verletzten Stürmer Martin Max und Youri Mulder hielt es nicht mehr auf ihren Sitzen. "Mir hat schon das Herz geblutet, aber jetzt bin ich ja im Finale wieder dabei - dank unserer tollen Truppe", so Martin Max, der in 14 Tagen wieder bei der Mannschaft sein will.
Youri Mulder vergaß beim Schlußpfiff seine schwere Verletzung und wollte sogar das Spielfeld stürmen. "Ich war selbst ganz kribbelig, das war einmalig hier", so der Publikumsliebling. Seine Kollegen gaben auch ihm das Gefühl zur Mannschaft zu gehören, als man sich nach dem Schlußpfiff kollektiv in den Armen lag. Es waren Szenen zu bewundern, die man mit Worten nicht beschreiben kann. Standing Ovations von den Rängen, das Vereinslied geschmettert aus 50.000 Kehlen und ein Johann de Kock, der glücklich war, daß sein Fehlschuß aus dem Hinspiel nicht entscheidend war: "wir haben uns für heute abend viel vorgenommen und alles gewonnen, deshalb sind wir überglücklich. Die Fans hier sind superklasse - ich laufe jetzt noch mindestens zwei Ehrenrunden und erst dann gehe ich rein."
Die geschlossene Mannschaftsleistung hat auch diesmal wieder den Ausschlag für den Erfolg gegeben, dennoch sollte man drei Spieler hervorheben: Olaf Thon, wegen seiner unermüdlichen Antriebsversuche - Jiri Nemec, als Arbeiter und Antreiber auf jeder Stelle des Platzes und nicht zuletzt Yves Eigenrauch, der wohl eines der stärksten Spiele seiner Laufbahn bot. "Yyyyyyyyyyves", schallte es immer wieder durch das Parkstadion, wenn der Publikumsliebling dem spanischen Spielmacher Felipe wieder einmal den Ball abgeluchst hatte und seinerseits dann sogar über rechts das Spiel nach vorne trieb!
Lob von allen Seiten auch für die wohl besten deutschen Fans: "Wie die uns heute unterstützt haben, das gibt es wohl nirgendwo anders", strahlte Thommy Linke, der Torschütze zum wichtigen 1:0. In der Tat hatten die Zuschauer sich wieder viel einfallen lassen: "Steh auf - wer ein Schalker ist", animierte man sich gegenseitig zu stehenden Ovationen, die zusammen mit 50000 blau-weißen Fahnen eine phantastische Stimmung erzeugten.
Nun hat der FC Schalke 04 den größten internationalen Triumph der Vereinsgeschichte erreicht und steht am 7. und 21. Mai im Finale des UEFA-Cups 1996/1997. Gegner wird Inter Mailand sein, das seine Visitenkarte im Hinspiel im Parkstadion abgeben wird.
Schon jetzt haben die königsblauen Schalker Fußballgeschichte geschrieben und können diese phänomenale Leistung in den beiden Finalspielen noch krönen.
Freuen wir uns auf zwei weitere hochklassige Partien, die vielleicht sogar das zuletzt dagewesene noch übertreffen können. Hasta la vista, Schalke finalista ! Der Traum wurde wahr und ist noch nicht zu Ende...