Trabzonspor Kulübü - FC Schalke 04

Trabzonspor Kulübü - FC Schalke 04 3:3 (0:2)

2. Runde, 29. Oktober 1996, Stadion Avni Aker, Trabzon

FC Schalke 04: Lehmann - de Kock(46.Dooley), Thon, Linke - Latal(87.Kurz), Wilmots, Nemec, Anderbrügge, Müller - Max, Mulder (80.Weidemann)

Trabzonspor: Nihat - Tolunay - Iskender, Osman - Mehmet, Ünal (80.Archtil Arweladze), Nemsadze, Chotar Arwaradze, Hami -Hasan (46. Okan), Orhan (69. Ceneiz)

Tore: 0:1 Johan de Kock (33.), 0:2 Johan de Kock (36.), 1:2 Chotar Arwaradse (55.), 2:2 Hami (66.), 3:2 Hami (71.), 3:3 Martin Max (74.)

Gelbe Karten:Tolunay (2)

Zuschauer: 27.000

Zum Spiel: "Das Schwarze Meer ist Blau und Weiß"

Der Schlachtruf der ca. 1200 mitgereisten Schalker Fans wurde Wirklichkeit und die Mannschaft zog nach 20 Jahren erstmals wieder in das Achtelfinale des UEFA-Cups ein.

In einem mitreißenden Spiel, daß eigentlich schon entschieden war, machten die Türken aus einem 0:2 Rückstand eine 3:2-Führung, ehe Martin Max das Weiterkommen mit seinem Ausgleichstor perfekt machte.

Trainer Huub Stevens konnte bis auf Yves Eigenrauch seine Bestbesetzung aufbieten, da ein Test von Johan de Kock kurz vor dem Spiel positiv verlaufen war. Dieser Johan de Kock war dann auch der Held des Abends, da er mit seinen beiden Toren zur Pausenführung die Grundlage für das Weiterkommen schaffte.

In der ersten Hälfte lieferten die Schalker ein Klassespiel ab und ließen die so gefürchteten Türken gar nicht erst ins Spiel kommen. Sehr abgeklärt und ballsicher hatte man nicht das Gefühl, daß hiernoch etwas schiefgehen konnte.

"Das waren sicherlich zwei wichtige Tore. Aber bei den Türken weiß man nie..," meinte de Kock vielsagend und mußte dann von draußen miterleben wie die Gastgeber vor 27.000 Zuschauern den Rückstand in eine 3:2-Führung umwandelten. Nun war auch er so vielgelobte "Hexenkessel" von Trabzon erstmals zu spüren, denn die Stimmung vor dem Spiel war bei den türkischen Fans eher "nordländisch".

Was in der zweiten Halbzeit ablief, hätte man vorher nicht erwarten können und auch der Schalker Anhang, der sich trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit lautstark bemerkbar machte, traute nach der so starken ersten Halbzeit seinen Augen nicht.

Zunächst führte die erste Unachtsamkeit der Schalker zum Anschlußtreffer durch Chotar Arwaradze (55.). In der 66. Minute düpierte dann Hami den völlig überraschten Lehmann mit einer Flanke, vier Minuten später drosch der gleiche Spieler einen Freistoß aus gut 20 Metern in die Maschen. Erst Martin Max erlöste dann in der 73. Minute mit einem Kopfballtor die "Knappen." (Max:"Mein wichtigster Treffer für Schalke")

"Wir sind verdient weitergekommen. Ich möchte allerdings nicht noch einmal eine derartige zweite Halbzeit sehen. Das ist nicht gut für das Herz. Man hat deutlich gesehen, wie wichtig erfahrene Spieler sind. Denn wir sind nach der Auswechslung von de Kock kurz eingebrochen", meinte ein noch sichtlich aufgewühlter Schalke-Coach Huub Stevens.

Hundemüde, aber heilfroh kletterte die Schalker Mannschaft um 02.00 Uhr am Mittwoch morgen am Kölner Flughafen aus der gecharterten Boing 757. Dort warteten zu ihrer Überraschung rund 200 "königsblaue Fans", die sich die Nacht um die Ohren geschlagen hatten, um ihren Europacup-Helden mit Freudengesängen einen triumphalen Empfang zu bereiten. "Unsere Fans sind einmalig", staunte Andreas Müller, der sich für die nächste Runde einen Gegner in Spanien oder Italien wüscht, damit die tollen Fans eine tolle Stadt sehen können.

Schon beim Rückflug aus der Türkei floß der Siegersekt in Strömen, die Zigarillos von Manager Rudi Assauer qualmten stärker denn je und immer wieder wurde das Vereinslied und der neue Schalke-Schlager "Das Schwarze Meer ist blau und weiß" angestimmt. Kapitän und Torwart Jens Lehmann griff sich das Bord-Mikrofon und bedankte sich auch bei den Offiziellen, die sonst eher im Hintergrund arbeiten. Er widmete den Erfolg im Namen der Mannschaft einem Fan, der sich bei einem Sturz im Stadion beide Sprunggelenke gebrochen hatte und den Vier-Stunden-Trip trotz großer Schmerzen tapfer ertrug.

Aber schon im Flieger hatten die Schalker das Revierderby gegen Borussia Dortmund am Samstag im mit 71 000 Zuschauern ausverkauften Parkstadion im Kopf. Ein Sieg über "Gelb-Schwarz" - und der schwache Saisonstart in der Bundesliga ist endgültig vergessen. Lehmann versprach: "Wir sind fit. Das wird sich auch Samstag zeigen."

Die Auslosung des Achtelfinales findet am kommenden Freitag in Genf statt. Diesmal werden alle 16 Mannschaften aus einem Topf gelost.

Zurück



Newsletter-Anmeldung

Newsletter-Registrierung





Optionen