Viertelfinale, 18. März 1997, Estadio Luis Casanova (Mestalla)
Valencia CF: Zubizarreta - Otero, Caceres (56. Campo), Ferreira, Romero - Fernando (56. Vlaovic) - Karpin, Eskurza (56. Ignacio), Poyatos - Leandro, Galvez
FC Schalke 04: Lehmann - Thon - Kurz, de Kock - Latal (69. Dooley), Memec, Müller, Eigenrauch, Büskens (90. Wagner) - Mulder, Max (88. Anderbrügge)
Tore: 0:1 Youri Mulder (19.), 1:1 Poyatos (45.)
Gelbe Karten: Poyatos, Ignacio - Eigenrauch
Zuschauer: 45.000
Der FC Schalke 04 steht nach dem 1:1 Unentschieden beim CF Valencia erstmals seit 27 Jahren wieder im Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs und hat sich Anfang April zwei weitere große Fußball-Abende gesichert.
"Hasta la vista - Schalke finalista", skandierten die 5000 mitgereisten Schalker Fans den ganzen Tag lang in der spanischen Metropole. "Brennt Schalke nieder", verwies die spanische Presse, in Bezug auf das stattfindende Frühlingsfest "Fallas" auf den Sturmlauf, den die Blauen zu erwarten hatten.
Aus dem Feuerwerk wurde aber nur ein Strohfeuer, das die Mannen um Trainer Huub Stevens jederzeit unter Kontrolle hatten. Stevens hatte sich zwei Mannschaftsaufstellungen zurechtgelegt, je nachdem mit wieviel Angreifern sein Kollege Jorge Valdano anfangen würde. Da mit Leandro und Galves zwei Spitzen aufgeboten wurden, entschied sich der Coach für die Hereinnahme von Marco Kurz anstelle des erwarteten Ingo Anderbrügge. Zudem konnte Radek Latal nur 7 Tage nach seiner Bänderverletzung wieder mitwirken und besetzte die rechte Außenbahn.
Die Schalker ließen die Spanier von Beginn an kaum ins Spiel kommen, störten schon an der Mittellinie und hielten in den Zweikämpfen gegen die aggressiven Spanier voll dagegen. So ergaben sich in der Anfangsphase wenig Chancen, obwohl sich Valencia ein optisches Übergewicht erarbeiten konnte.
In der 19.Minute dann die überraschende Führung für Königsblau. Einen herrlichen Konter über Radek Latal und Jiri Nemec schloß Youri Mulder aus 10m an Torwart Zubizarreta vorbei ab. Youri's drittes Tor im laufenden Wettbewerb und welch ein wichtiger Treffer...
Valencia war vom starken Schalker Auftritt sichtlich geschockt und war nur durch Standard-Situationen gefährlich. So kam es in der ersten Halbzeit nur zu einem Fernschuß von Karpin und einem Freistoß von Fereira. Kurz vor der Pause dann jedoch eine Unaufmerksamkeit in der Schalker Hintermannschaft. Andi Müller verlor ein Kopfball-Duell gegen Poyatos und der Ball schlug unhaltbar für Jens Lehmann im rechten Eck ein.
Ein Gegentor zum schlechtest möglichen Zeitpunkt, den nun setzten die Valencianer in der zweiten Halbzeit nochmal alles auf eine Karte. Schalke begann jedoch genauso konzentriert wie zu Spielbeginn und lies nur noch eine Großchance von Vlaovic zu, die Lehmann jedoch gekonnt parieren konnte.
In der Folgezeit hatte die starke Schalker Elf, aus der besonders Jiri Nemec und Youri Mulder herausragten, jederzeit das Spiel im Griff und verdiente sich den Einzug unter die letzten vier im UEFA-Cup redlich. Überraschend stark auch die Leistung von Marco Kurz und das starke Comeback von Radek Latal, der sich nach seiner Verletzung erstaunlich gut erholt hatte.
Das ganze Team feierte zusammen mit den mitgereisten Fans noch eine Stunde nach dem Spiel im Mestalla Stadion den grössten Erfolg seit 27 Jahren. "Seht ihr Bayern, so wird das gemacht", konnte man sich einen Seitenhieb auf den letzten UEFA-Cup Sieger nicht verkneifen, der schon in der ersten Runde gegen Valencia gescheitert war.
"Ich kann es noch gar nicht begreifen, so was hab ich noch nicht erlebt", gab Andi Müller am Mittwoch morgen um 5.00 Uhr nach der Landung auf dem Köln-Bonner Flughafen den Grundtenor aller Spieler wieder. "Die Atmosphäre im und ums Stadion, die Musik und die Feuerwerke beim Volksfest "Las Fallas", das ist kaum noch zu überbieten."
Nun stehen am 8. und 22. April zwei weitere Fußballfeste ins Haus. Auf jedenfall wird es dabei zu einem richtigen Kracher kommen, denn mit Inter Mailand, dem AS Monaco und CD Teneriffa stehen nur noch europäische Topclubs unter den letzten vier UEFA-Cup Teilnehmern.
Auch Müller glaubt, daß eine Steigerung, wenn überhaupt nur im Mailänder "San-Siro" zu erwarten sei. "Auch für unsere einmaligen Fans, die uns toll unterstützt haben, wäre Mailand ein riesiges Erlebnis", stimmt Jens Lehmann zu. Und Youri Mulder, der Held des Abends fürchtete nur den Topfavoriten AS Monaco, "die sind unheimlich stark".
Trotzdem ist eine weitere herrliche Reise für die fantastischen Fans die verdiente Belohnung für die tolle Unterstützung auch 1500 km von der Heimat entfernt. Die Spanische Presse erkannte dann auch den verdienten Schalker Erfolg an: "Die Magische Nacht blieb aus - Valencia hatte noch nicht einmal Zeit vom Sieg zu träumen !"
Der Schalker Traum ist noch nicht zu Ende...