Viertelfinale, 3. März 1998, Guiseppe Meazza Stadion, Mailand
Inter: Pagliuca - Fresi - Sartor, Colonnese, Galante (10.Cauet) - Moriero, Winter, Zanetti, Simeone - Djorkaeff (74.Zamorano), Ronaldo
FC Schalke 04: Lehmann - Linke, Thon, de Kock - Latal (86.Anderbrügge), Van Hoogdalem, Wilmots, Nemec, Büskens - Eijkelkamp (72.Eigenrauch), Max
Tore: 1:0 Ronaldo (17.)
Gelbe Karten: Fresi, Sartor, Djorkaeff - De Kock, Linke, Büskens, Nemec, Van Hoogdalem
Schiedsrichter: Urs Meier (Schweiz)
Zuschauer: 45.000
Der Titelverteidiger wiederholt sein Finalergebnis: der FC Schalke 04 unterlag im Viertelfinal Hinspiel des Uefa-Cups mit 0:1 beim letztjährigen Endspielgegner Inter Mailand und hält sich damit alle Möglichkeiten für das Rückspiel in 14 Tagen im Parkstadion offen. Allerdings gilt es dann, mehr Akzente in der Offensive zu setzen, denn in "San Siro" war man zunächst darauf bedacht, die Abwehr stark zu machen, um vor allen Dingen die brandgefährlichen Inter-Stürmer am Torerfolg zu hindern.
Der brasilianische Superstar Ronaldo bereitete dabei dem FC Schalke 04 nicht nur mit seinem herrlich herausgespielten Tor in der 17. Minute die meisten Probleme, er war auch der überragende Akteur vor nur 45 000 Zuschauern.
In der von der ersten Sekunde an aufgeladenen Atmosphäre hatten nach 45 Minuten schon vier Akteure die Gewißheit, wegen der zweiten Verwarnung das Rückspiel nur als Zuschauer erleben zu dürfen. Nach 30 Sekunden kassierte de Kock für eine rüde Attacke gegen Ronaldo Gelb, kurz vor der Halbzeit auch noch Abwehrkollege Thomas Linke wegen eines unbedachten Fouls. Bei Inter traf es Libero Fresi, Manndecker Sartor und in der zweiten Halbzeit auch Djorkaeff.
Mit dem frühen und konsequenten Einschreiten bekam der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier die Partie von Beginn an in den Griff, nicht aber die Schalker den Superstar Ronaldo. Wenn der 21jährige Brasilianer am Ball war, wurde es brandgefährlich. Mit seinem pfeilschnellen Antritt und seiner brillanten Technik stürzte er die Schalker Hinter-Mannschaft mehrmals in große Verlegenheit. In der 7. Minute konnte Lehmann noch mit Mühe einen Ronaldo-Schuß aus spitzem Winkel abwehren. Zehn Minuten später aber bekam der Keeper seine Fäuste nicht rechtzeitig hoch, als Ronaldo im Zusammenspiel mit seinem französischen Sturmpartner Djorkaeff drei Schalker ausspielte und mit einem satten Linksschuß aus vollem Lauf zum 1:0 abschloß.
Bis zu dieser Szene lief im Spielaufbau der Schalker über weite Strecken nicht viel zusammen, weil die Kreativ-Achse mit Libero Thon, Regisseur Nemec und Mittelfeld-Turbo Wilmots nicht zur Geltung kam. Dennoch kam der Bundesliga-Vierte nach dem Gegentor besser ins Spiel und in der ersten Halbzeit zu guten Chancen. In der 28. Minute aber scheiterte de Kock nach einem Eckball von Büskens am vor der Torlinie klärenende Moriero; acht Minuten später landete nach einer Latal-Flanke der Kopfball von Max nur am Pfosten. Schon vor dem Rückstand mußte Pagliuca bei einem Fernschuß von Wilmots sein ganzes Können zeigen.
Allerdings hatte auch Inter gute Möglichkeiten durch Djorkaeffs Freistoß, den Lehmann parierte (44.) und einem von Thon abgeblockten Ronaldo-Schuß (45.). Man hatte teilweise das Gefühl, das Inter nach dem Tor einen Gang zurück schaltete, was aber auch am sichereren Schalker Defensiverbund gelegen hat.
Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie immer zerfahrener, allerdings auch insgesamt nach Feldanteilen ausgeglichener. In der Offensive strahlten die Schalker aber trotz großer Bemühungen - wie auch zuletzt in der Bundesliga - keine Gefährlichkeit aus. Besonders Martin Max hatte einen sehr schweren Stand und konnte sich - bis auf seinen Pfostenkopfball - kaum in Szene setzen. Rene Eijkelkamp hielt und verteilte die Bälle im Mittelfeld, blieb aber ebenfalls ohne Torschuß.
Immerhin aber fand die Abwehr um den sich mehr und mehr steigernden Thon zur gewohnten Stabilität zurück. Ronaldo setzte sich nach einer Stunde wieder stark in Szene, als er einen Kopfball knapp über die Latte zielte, sowie letztmals in der 78. Minute, als Lehmann einen erneuten Kopfball parierte. Der starke Schalker Keeper bewahrte sein Team in der Schlußphase mit einer reaktionsschnellen Parade gegen den eingewechselten Zamorano vor dem wohl vorentscheidenden 2:0.
Es blieb letztendlich bei dem korrekten knappen Resultat, was auch die 10.000 mitgereisten Schalker Fans, die ihr Team immer wieder lautstark anfeuerten, anerkennen mußten. Mancher Schalker hat sich wohl geärgert, als er die vielen leeren Plätze im Guiseppe Meazza Stadion sah, aber über die Kartenpolitik der Mailänder ist ja schon genug spekuliert worden.
Angesprochen auf die entscheidende Szene des Spiels meinte Johan de Kock: "Ronaldo ist schon ein sehr starker Spieler. Vor dem Tor hat er sich glänzend weggedreht und ich kam nicht schnell genug hinterher. Dann hat er auch noch den nächsten Gegner ausgespielt und einfach draufgehalten. Ich dachte zuerst, der ist für den Jens, aber dann war er drin. Wir haben schon oft im Hinspiel mit 0:1 verloren und dann zu Hause den Spieß noch umgedreht. Ich hoffe das gelingt uns in 14 Tagen wieder."
Auch Jens Lehmann ärgerte sich nach seiner fehlerlosen Partie über das Gegentor: " Ich dachte auch, ich hätte den Ball, aber kurz bevor ich ihn an die Hände bekam, drehte er nochmal weg. Dennoch schießst Ronaldo ja nicht anders als die anderen, nur die Abwehrspieler haben es wegen seiner Schnelligkeit natürlich wesentlich schwerer."
Kapitän Olaf Thon sah die Fehler in der Anfangsphase des Spiels: " Wir haben in den ersten 20 Minuten zu viele individuelle Fehler produziert, wobei ich mich da mit einbeziehen muß. In dieser Zeit viel auch das Tor. Wir konnten dann auch nicht mehr voll zur Sache gehen, da schon fast jeder eine Gelbe Karte hatte. Danach bekamen wir aber das Spiel besser in den Griff und konnten uns sogar einige Chancen herausspielen, auch in der zweiten Halbzeit lief es eigentlich ganz gut. Für das Rückspiel ist natürlich die Sperre der beiden Abwehrspieler ziemlich problematisch, denn sie sind auch wegen ihrer Kopfballstärke bei Standardsituationen sehr gefährlich, aber dann müssen halt andere spielen - wir werden uns schon was einfallen lassen."
In der Tat lässt das Ergebnis noch alle Möglichkeiten offen, wenn man zu alter Offensivstärke zurückfinden kann. Das gewünschte Tor ist zwar nicht gefallen, aber man hat auch gemerkt, daß Inter zu packen ist. Mit den 57.000 frenetischen Schalkern im Rücken sollte also in puncto Einzug ins Halbfinale noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Abgerechnet wird in 14 Tagen - und diesmal im Parkstadion...