2. Runde, 5.November 1997, Constant-Vanden-Stock-Stadion
Anderlecht: De Vlieger - Katana - Doll, Grujic - Peiremans, Scifo, Zetterberg, Dheedene, De Boeck (69.Stoica) - Debbah (52.Goor), Petersen(44. Iachtschuk)
FC Schalke 04: Lehmann - Linke, Thon, de Kock - Latal, Van Hoogdalem (86. Kurz), Wilmots (80.Held), Müller, Büskens - Eijkelkamp (83.Max), Goossens
Tore: 1:0 De Boeck (16.), 1:1 Van Hoogdalem (58.), 1:2 Wilmots (66.)
Gelbe Karten: De Boeck / Müller, Latal, Linke
Schiedsrichter: Boggi (Italien)
Zuschauer: 20.186
Der FC Schalke 04 setzt seinen Triumphzug auf der europäischen Fußballbühne fort und besiegt auch den belgischen Rekordmeister RSC Anderlecht im heimischen Stadion mit 2:1. Durch eine Leistungssteigerung in den zweiten 45 Minuten wurde der Einzug ins Achtelfinale unter Dach und Fach gebracht.
Trainer Huub Stevens stellte Andi Müller auf die Position des Gelbgesperrten Jiri Nemec und gab damit der Routine den Vorzug vor dem Jugendlichen Ehrgeiz des Olli Held. Und in der Tat mußten die Schalker einiges an Nerven aufbieten, um die ersten 45 Minuten einigermaßen zu überstehen.
Im Zweitrunden- Rückspiel drohte dem königsblauen Europapokal- Märchen aber zeitweise ein jähes Ende, ehe Marco Van Hoogdalem (58.) und Marc Wilmots (66.) aus dem bedrohlichen 0:1- Rückstand durch De Boeck (16.) einen erlösenden 2:1-Erfolg machten.
5000 mitgereiste Fans unter den knapp 20.000 Besuchern in Brüssel feierten anschließend überschwenglich den Achtelfinal-Einzug des Bundesliga- Dritten, der schon das Hinspiel 1:0 gewonnen hatte und somit in allen vier Partien des UEFA-Cups den Platz als Sieger verließ.
Überschattet wurde die Partie von einem Unfall auf der Tribüne, bei dem mindestens drei Besucher verletzt wurden. Sie verletzten sich offenbar, als im Torjubel nach dem Führungstreffer ein Begrenzungszaun brach. Die Partie wurde daraufhin für sechseinhalb Minuten unterbrochen, damit die verletzten Fans zunächst auf dem Rasen behandelt und anschließend auf Tragen aus dem Stadion gebracht werden konnten. Der betroffene Zuschauer-Block wurde geräumt.
Die Unterbrechung, vor allem aber der praktisch aus heiterem Himmel erfolgte Gegentreffer, brachte die anfangs überlegenen Schalker völlig aus dem Trott. Ehe der starke De Boeck einen herrlichen Paß von Altmeister Scifo mit einem intelligenten Heber vollendete, war Schalke Herr im Anderlechter Haus - und zwar nicht nur auf dem Platz sondern auch Stimmungsmässig auf den Tribü:nen. Danach aber war die Souveränität mit einem Schlag dahin. Im Mittelfeld erspielten sich die Belgier mehr und mehr Vorteile, weil Wilmots gegen De Boeck nur selten zum Zug kam und die Spitzen Eijkelkamp und Goossens vorne zu sehr auf sich alleine gestellt waren.
Der relativ sicher stehenden Schalker Innenverteidigung und Torhüter Lehmann hatte es der Cup-Verteidiger zu verdanken, daß er kein 0:2 kassierte. Lehmann bewahrte seine Farben mit Paraden gegen Peiremans, Iachtschuk und Zetterberg vor einem högheren Pausenrückstand und hatte Glück, daß ein 22-Meter-Schuß von De Boeck knapp am Torwinkel vorbeistrich. Auch nach dem Seitenwechsel sahen sich die Schalker zunächst in der Defensive.
In der 50. Minute stockte den Schalker Fans der Atem, als Lehmann nach einem Zusammenprall mit dem Teamkollegen De Kock der Ball aus den Armen sprang - Iachtschuk aber schoß am leeren Tor vorbei.
So überraschend, wie der Titelverteidiger in Rückstand geriet, so unverhofft gelang ihm in der 58. Minute mit dem 1:1 durch van Hoogdalem die Befreiung. Der Niederländer schloß eine sehenswerte Kombination über Eijkelkamp, Müller und Wilmots mit einem strammen Flachschuß ab und sorgte damit für die Wende.
Von diesem Zeitpunkt an war das Spiel gelaufen und Schalke bakam endlich den Raum, den man brauchte um die Partie in den Griff zu bekommen. Anderlechts Konsterniertheit nutzte Wilmots nur acht Minuten später, als er eine Flanke von Müller per Kopf gegen die Laufrichtung von RSC-Keeper De Vlieger plazierte. Die Schalker hatten natürlich von diesem Zeitpunkt an das Spiel in der Hand und die Belgier unter Kontrolle. Lehmanns Tor geriet nur noch bei einem Lattentreffer von Stoica in Gefahr, während sich auf der anderen Seite mehrere gute Kontermöglichkeiten boten.
Nach dem Spiel zeigte sich Trainer Huub Stevens, der den RSC immer als sehr starkes Team eingestuft hatte, sehr erleichtert: "Solche Fehler wie beim 0:1 können gegen eine international renommierte Mannschaft immmer einmal passieren. Aber das Wichtigste heute war, daß die Jungs nach dem Rückstand die Ruhe behalten haben und mit einer tollen Moral das Spiel noch umgebogen haben."
Auf die Frage nach den Problemen in der ersten Halbzeit entgegnete Jens Lehmann, gewohnt sicherer Rückhalt seines Teams: "Wir waren uns in der Halbzeit sicher, daß Anderlecht nicht 90 Minuten dieses Tempo gehen kann. Und wir haben gehofft, das wir besseren Fußball spielen als in der ersten Halbzeit." Auch einen Wunschgegner hatte der Keeper schon parat: "Nun würde ich mir schon Inter Mailand als nächsten Gegner wünschen."
Trotz des 2:1 Erfolges und dem damit verbundenen Einzug in das Achtelfinale mußten die Schalker wohl anerkennen, daß der RSC sie knapp an eine Niederlage gebracht hatten. Dennoch muß man solche Spiele erstmal für sich entscheiden, was letztendlich das verdiente Weiterkommen bedeutete. Auch der Herbst 1997 steht ganz im Zeichen eines erneuten Fußballfestes auf der europäischen Bühne.
Die Auslosung am kommenden Freitag darf also wieder mit Spannung erwartet werden...