1. Runde, 29. September 1998, Strahov-Stadion Prag
Slavia Prag: Cerny - Lerch, Petrous, Kozel, Labant - Kuchar, Dostalek, Horvath, Skala - Kucera (115. Adippe), Vagner
FC Schalke 04: Schober - Thon - van Hoogdalem, Eigenrauch - Latal (63. Goossens), Nemec, Kmetsch (72. Wilmots/99. Anderbrügge), van Kerckhoven, Büskens - Max, Eijkelkamp
Tore: 1:0 Dostalek (17.)
Elfmeterschießen: 1:0 Horvath, 1:1 Anderbrügge, 2:1 Labant, 2:2 Thon, 3:2 Dostalek, 3:3 Max, 4:3 Vagner, 4:4 Eijkelkamp, 5:4 Kozel, van Hoogdalem scheitert an Cerny
Gelbe Karten: Kuchar, Horvath, Kozel, Skala / Kmetsch, Eijkelkamp, Thon
Schiedsrichter: Harrel (Frankreich)
Zuschauer: 8.879
Der FC Schalke 04 ist durch eine 4:5 Niederlage im Elfmeterschießen schon in der ersten Runde des diesjährigen UEFA-Cup Wettbewerbes am keineswegs übermächtigen Gegner Slavia Prag gescheitert.
Die Verletzungssorgen, die sich wie ein roter Faden durch die aktuelle Saison ziehen, machten auch in Prag zu schaffen. So mußte Trainer Stevens auf Johan de Kock, Marc Wilmots, Youri Mulder und Hami verzichten. Glücklicherweise konnten Eijkelkamp und Kmetsch auf die Zähne beißen und eingesetzt werden.
Doch die akute Personalnot sollte nicht als Entschuldigung herhalten. Vielmehr verschliefen die Blauen wieder einmal die Anfangsphase und lagen so nach 17 Minuten schon 0:1 im Hintertreffen. Ein Glück, daß der gute Mathias Schober nur Minuten später mit einer Glanztat das 0:2 verhindern konnte.
Ab der 30. Minute bekamen die Schalker das Spiel in den Griff, allerdings konnte die Überlegenheit nicht in Tore umgewandelt werden. Zu harmlos agierten die Mannen um Kapitän Olaf Thon, wenn man sich dem gegnerischen 16m-Raum näherte. Besonders Jiri Nemec und die beiden Flügelspieler Büskens und Latal ließen einiges vermissen.
Die Situation änderte sich dann in der zweiten Halbzeit, denn nun konnte Schalke die Spielkontrolle auch in Chancen umwandeln. Die größte Gelegenheit des Spiels hatte dabei Radek Latal, der nach einem herrlichen Paß von van Hoogdalem aber am starken Cerny scheiterte.
Nun setzte Huub Stevens alles auf eine Karte und brachte doch noch den angeschlagenen Marc Wilmots, der aber keineswegs gehemmt wirkte. Er brachte den zuletzt vermißten Schwung und hatte selbst zwei, drei sehr gute Möglichkeiten zum ersehnten Treffer. Doch dieser fiel nicht, sondern das Pech blieb weiter auf Schalker Seite, denn auch Kmetsch mit einem sehenswerten Direktschuß und Eijkelkamp mit einem Schlenzer aus kurzer Entfernung scheiterten.
Schalke versuchte in den letzten Minuten vor der Verlängerung nicht mehr allzuviel zu riskieren und man kontrollierte das Spiel. Bezeichnenderweise konnte Slavia sich auch keine weiteren Torchancen mehr erarbeiten. Erneuter Schock dann in der 100. Minute als Marc Wilmots, bis dahin Garant für den Umschwung, mit einer erneuten Verletzung ausscheiden mußte. Die Verlägerung zeigte dann zwei Teams, die mit den Kräften so gut wie am Ende waren. Bei Schalke durchaus verständlich - war es doch neben den drei englischen Wochen die zweite Zusatzschicht nach dem Pokalaus in Dortmund. Es gab keine Gelegenheiten mehr und so mußte das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen.
Für Schalke traten Anderbrügge, Thon, Max und Eijkelkamp an und verwandelten, wobei Max bei seinem Elfer schon großes Glück hatte. Die 5 Tschechen verwandelten allesamt sicher und so lag es an Marco van Hoogdalem, den letzten Weg anzutreten. Er schoß jedoch zu unplaziert in die Arme von Cerny und das Schicksal der Schalker war besiegelt.
Unter den 3.500 mitgereisten Fans herrschte für eine halbe Minute nach dem Schock Totenstille, bis die Mannschaft dann doch mit Beifall verabschiedet wurde. Auch der untröstliche Marco van Hoogdalem bekam noch aufmunternder Sprechchöre auf den bitteren Weg in die Kabine. Gerade auch angesichts der vielen Verletzungen bricht nun nach dieser so schlimm verlaufenen Woche eine harte Zeit an, die die gesamte Schalker Vereinsfamilie auf eine harte Probe stellen wird. Nach zweieinhalb Jahren "an der Sonne" gilt es nun, sich auch in solchen Zeiten an die Schlußzeilen der letzten Strophe unseres Vereinsliedes zu erinnern, die da heißen "Tausend Freunde, die zusammenstehn..."