FC Schalke 04 - Wisla Krakau

FC Schalke 04 - Wisla Krakau 1:4 (1:1)

3. Runde, 10. Dezember 2002, Arena AufSchalke

Schalke: Rost – Hajto, van Hoogdalem, Matellan, van Kerckhoven (65. Agali) – Poulsen – Asamoah (79. Wilmots), Möller, Böhme (82. Hanke) – Sand, Mpenza

Krakau: Hugues – Baszczynski, Glowacki, Jop, Stolarczyk – Uche (90. Paszulewicz), Strak, Szymkowiak, Kosowski – Zurawski, Kuzba (78. Pater)

Tore: 0:1 Zurawski (40.), 1:1 Hajto (42.), 1:2 Uche (50.), 1:3 Zurawski (85.), 1:4 Kosowski (90.)

Gelbe Karten: Böhme – Glowacki

Schiedsrichter: Ovrebo (Norwegen)

Zuschauer: 50.830

Zum Spiel:

Im UEFA-Cup wollte der FC Schalke 04 überwintern, der polnische Herbstmeister Wisla Krakau machte einen dicken Strich durch diese Rechnung. In der dritten Runde des internationalen Wettbewerbs schied die Elf von Frank Neubarth mit einer bitteren 1:4 (1:1)-Niederlage nach dem 1:1 im Hinspiel aus. Hajto konnte die Gästeführung von Zurawski ausgleichen, doch nach dem Wechsel gerieten die Hausherren durch Uche in Rückstand, setzen danach alles auf eine Karte und wurden ausgekontert. "Das war eine sehr bittere Niederlage, aber Krakau war heute schneller, spritziger, beweglicher – körperlich und auch im Kopf", räumte Trainer Neubarth ein.

In der Partie gegen den polnischen Herbstmeister konnte Trainer Neubarth in der Anfangsformation wieder auf zwei Linksfüße zurückgreifen. Jörg Böhme stand erstmals nach seinem Einsatz in Hannover wieder von Beginn an auf dem Platz, für Nico van Kerckhoven war es der erste Start in dieser Saison überhaupt. Dafür saß Sven Vermant im Vergleich zum Heimspiel gegen Werder Bremen am vergangenen Samstag wieder auf der Bank, während Niels Oude Kamphuis aufgrund muskulärer Probleme gänzlich passen musste. Im Gegensatz zu Victor Agali, der erstmals seit gut zwei Monaten wieder zum Aufgebot gehörte.

In der ersten Viertelstunde agierten die Knappen spielbestimmend, kamen aber dreimal im Krakauer Strafraum nicht zum Abschluss. Erstmals musste sich Wisla-Torhüter Angelo Hugues bei einem Schuss von Tomasz Hajto vom rechten Strafraumeck auszeichnen (17.). Unmittelbar darauf begannen die polnischen Gäste konsequenter nach von zu spielen. Kamil Kosowski tauchte frei vor Frank Rost auf, doch der Schalker Keeper pflückte dem Krakauer Kapitän den Ball vom Fuß. Dann versuchte es Kuzba aus halblinker Position aus der Drehung, wieder war Rost zur Stelle (20.).

Zehn Minuten später hatte die Schalker Anhänger erstmals den Torschrei auf den Lippen. Möller legte Mpenza den Ball an der Strafraumgrenze gekonnt in den Lauf, der Belgier umkurvte Hugues und schob ins leere Tor ein. Allerdings hatte sich der Schalker Stürmer beim Zuspiel hauchdünn im Abseits befunden (30.). Zehn Minuten später fiel das Tor – allerdings für Krakau. Kosowski bediente Zurawski mit einem präzisen Pass, der Torjäger verwandelte volley aus 12 Metern ins linke Eck zum 0:1.

Nach dem Schock folgte die Schalker Antwort: Möller schickte Mpenza allein aufs Tor, der überlief Hugues, wurde vom französischen Keeper festgehalten und entscheidend behindert, so dass ein Krakauer Abwehrspieler ins Toraus klären konnte (41.). Alle blau-weißen Proteste waren indes vergebens, es gab Ecke statt Strafstoß. Die führte Möller kurz zu Böhme aus, dessen lange Flanke den Weg zu Tomasz Hajto fand. Am Fünf-Meter-Eck drosch der Abwehrspieler den Ball zum 1:1 ins kurze Eck (42.). Erleichterung bei den Knappen, doch der minimale Vorsprung der auswärts geschossenen Tore aus dem Hinspiel war damit aufgebraucht.

Den hätten sich die Knappen unmittelbar nach dem Wechsel wieder verschaffen können, wenn Poulsen nach einer Ecke von Möller mit einem völlig freien Kopfball sieben Meter vor dem Tor getroffen hätte. Doch der Däne platzierte seinen Versuch Zentimeter neben dem Pfosten (46.). Dies rächte sich sofort, denn auf der Gegenseite köpfte Uche einen Freistoß von Kosowski aus fünf Metern zum 1:2 ein (50.). Nun hätten die Schalker zwei Tore zum Weiterkommen benötigt. "Es gab Situationen, in denen dieses Spiel trotzdem hätte kippen können", dachte Neubarth vor allem an die erste Viertelstunde der zweiten Hälfte. "Erst Poulsens Kopfball, dann machen wir erst einen Fehlpass, dann ein Foul – und aus diesem Freistoß fällt das 1:2."

Den Ausgleich schien Poulsen erzielt zu haben, doch nach einem langen Freistoß von Böhme entschied der Linienrichter auf Abseits, weil van Hoogdalem zuvor den Ball berührt haben soll (59.). "Minimal war Marco mit den Haarspitzen dran. Die Richtung hat er nicht verändert, Christian hätte auch so getroffen – aber dadurch war es Abseits", schilderte Assauer die Situation aus seiner Sicht. Auf der anderen Seite besaßen die Krakauer zwei glasklare Chancen zur Vorentscheidung: Zurawski traf aus 16 Metern den Pfosten (61.), Kuzba, freigespielt von Zurawski, schob aus zwölf Metern um Zentimeter am Pfosten vorbei (67.).

Trainer Neubarth setzte nun alles auf eine Karte, wechselte mit Victor Agali, später Marc Wilmots und Mike Hanke weitere Offensivkräfte ein. Doch nun vergaben die Hausherren wie schon im Hinspiel klarste Möglichkeiten. Agali schob den Ball nach Querpass von Mpenza aus fünf Metern freistehend vorbei (78.). Dann lief Sand allein auf Hugues zu, scheiterte am Keeper, Agali brachte den Ball im Nachschuss nicht im leeren Tor unter (80.). Neubarth: "Das waren Möglichkeiten mit dem Mute der Verzweiflung. Im Hinspiel hätten wir einen Vorsprung herausspielen könnten. Das haben wir verpasst und heute die Quittung bekommen."

So kam es, wie es kommen musste. Ein weiterer Konter schien bereits abgefangen, als Mpenzas Pass am eigenen Strafraum zu kurz geriet, das Leder zu Zurawski gelangte, der zum 1:3 einschoss (85.). Bei einem weiteren Konter erhöhte Kosowski im Nachschuss per Kopf sogar auf 1:4 (90.).

"Wir wussten, dass es eine Möglichkeit gab, das Spiel zu gewinnen. Nach den letzten Spielen war Schalke erschöpft, wir konnten uns neun Tage vorbereiten. Das hat sich ausgezahlt", analysierte Krakaus Trainer Henryk Kasperczak. "Wir sind auswärts stark und hätten noch mehr Tore schießen können. Allerdings ließen auch die Schalker einige Möglichkeiten aus. Wir sind verdient eine Runde weitergekommen, aber ich wünsche Schalke 04 alles Gute für den weiteren Verlauf der Saison."

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