2. Runde, 29. Oktober 2004, Stadion Wojska Polskiego
Warschau: Stanev - Omelyanchuk, Zielinski, Jozwiak, Szala (46. Dudek) - Vukovic, Kielbowicz, Surma, Majewski (88. Magiera) - Svitlica (84. Wroblewski), Kucharski
Schalke: Rost - Oude Kamphuis, Hajto, van Hoogdalem, Rodriguez - Varela, Kmetsch, Poulsen, Böhme (76. Asamoah) - Sand, Wilmots (63. Mpenza)
Tore: 0:1 Varela (50.), 0:2 Varela (54.), 1:2 Dudek (58.), 2:2 Svitlica (62./Foulelfmeter), 2.3 Sand (90.)
Schiedsrichter: Esquinas Torres (Spanien)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Vukovic, Surma - Rodriguez, Poulsen, van Hoogdalem
Schalke 04 ist die Antwort auf die mäßige Leistung beim 1:1 in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg nicht schuldig geblieben. Im Hinspiel der 2. Runde im UEFA-Pokal siegte die Mannschaft von Frank Neubarth verdient beim polnischen Meister Legia Warschau mit 3:2 (0:0). Ein Doppelpack von Gustavo Varela (50., 54.) und der Siegtreffer von Ebbe Sand in der 90. Minute sicherten den Erfolg. "Wir haben eine sehr gute Leistung geboten, den Gegner nach dem 2:0 zwar wieder ins Spiel gebracht, anschließend aber noch einmal reagieren können", lobte Trainer Neubarth nach dem Abpfiff.
Nur drei Tage nach der Partie gegen Nürnberg gab es in Warschau drei Änderungen in der Anfangsformation. Ebbe Sand spielte für Emile Mpenza, der nach seiner längeren Pause und zwei Einsätzen von Beginn an nicht gleich überfordert werden sollte und lediglich auf der Ersatzbank Platz nahm. Dort saß ebenso Gerald Asamoah, der immer noch unter den Ausläufern eines Grippevirus litt. An seiner Stelle rückte Gustavo Varela auf die rechte Außenbahn. Als Dritter im Bunde erhielt Andreas Möller eine Pause. Für ihn rückte Sven Kmetsch ins Team.
Vom Anpfiff an waren die Knappen offensichtlich bemüht, ihre "Mini-Krise" (Ebbe Sand) zu überwinden. Immer wieder lautstark gecoacht von Frank Neubarth, ließen sie Warschau nicht zur Entfaltung kommen und besaßen bereits in den ersten fünf Minuten zwei gute Tormöglichkeiten durch Niels Oude Kamphuis. Zunächst scheiterte der rechte Außenmann der Abwehr-Viererkette auf Zuspiel von Marc Wilmots aus fünf Metern an Legia-Torhüter Radostin Stanev (2.), dann setzte er nach einer zu kurz abgewehrten Flanke von Böhme aus zehn Metern sogar zum Fallrückzieher an. Erneut zeigte sich Stanev auf dem Posten (5.).
Von dieser Anfangsoffensive zeigten sich die Hausherren derart beeindruckt, dass sie den Bundesligisten zwar kommen ließen, jedoch kaum ihr Konterspiel aufzuziehen vermochten. Auf der anderen Seite gelangte Ebbe Sand in eine aussichtsreiche Position, sein Schuss 18 Meter frontal zum Tor und rutschte ihm jedoch über den Fuß und wurde somit nicht gefährlich (13.).
In der Folgezeit ließ der Schalker Druck nach, Legia gestaltete die Partie nun auch optisch offen, ohne allerdings zu echten Chancen zu kommen. Surmas Schuss aus über 25 Metern war der einzige Ball, den der aufmerksam mitspielende Torhüter Frank Rost in der ersten Hälfte parieren musste (29.). Doch auch die Knappen entwickelten vor dem Wechsel nur noch einmal Torgefahr: Varela dribbelte sich im Strafraum frei, sein Versuch aus halbrechter Position wurde erneut zur Beute von Torhüter Stanev (38.).
In der ersten Viertelstunde nach dem Wechsel überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst bogen die Knappen auf die Siegerstraße ein. Wilmots brachte Oude Kamphuis mit einem "Tunnel" gegen Kielbowicz auf der rechten Seite in Position, der kam zur Flanke, die Varela volley aus zehn Metern zum 0:1 verwertete (50.). Nur vier Minuten später spielte Sand einen präzisen Pass in den Lauf des uruguayischen Nationalspielers, der den Ball aus 14 Metern überlegt an Stanev vorbei zum 0:2 ins linke Eck schob (54.).
Wer nun glaubte, dass dies die Vorentscheidung sei, wurde in nur acht Minuten eines Besseren belehrt. Hajto ließ sich auf ein Dribbling gegen Kucharski ein, der ihm prompt - wenn auch mit Foulspiel - des Ball abnahm. Es entwickelte sich ein gefährlicher Angriff, bei dem Oude Kamphuis dem eingewechselten Dariusz Dudek bei einem Rettungsversuch den Ball vor die Füße köpfte. Der ließ Rost aus 18 Metern keine Abwehrmöglichkeit und verkürzte auf 1:2. "Diesem Tor gingen zwei Fehler voraus, die mehr als deutlich waren", zeigte sich Neubarth über die Entstehung verärgert.
Und auch vier Minuten später ließ die Hintermannschaft eine zu große Lücke, durch die erneut Dudek schlüpfen konnte. Van Hoogdalem traf bei seinem Rettungsversuch zwar den Ball, doch Dudek ließ sich im Strafraum geschickt fallen und erhielt den Strafstoß, den Legias Torjäger Stanko Svitlica sicher zum 2:2-Ausgleich verwandelte (62.).
Nun drohte die Partie zu kippen, doch nach einigen Minuten der Besinnung fanden die Königsblauen, bei denen Trainer Neubarth mit Mpenza und Asamoah zwei neue Offensivkräfte brachte, wieder zu einem konstruktiven Angriffsspiel und drängen in den letzten zehn Minuten auf den Siegtreffer. So köpft Mpenza eine Ecke von Varela aus sechs Metern knapp neben den Pfosten. Ebbe Sands Schuss aus 18 Metern nach feiner Körpertäuschung wird so eben neben das Gestänge abgefälscht (86.). Doch in der 90. Minute war der Däne nicht mehr zu halten und köpfte eine weitere Ecke von Varela zum umjubelten 3:2-Siegtreffer ein. "Er ist eben unser Mann für die wichtigen Tore", schmunzelte Marc Wilmots, während sich die Schalker Elf ausgiebig von den rund 1.000 mitgereisten Schalker Anhängern feiern ließ.