3. Runde, 28. November 2002, Wisla-Stadion
Krakau: Hugues - Baszczynski, Glowacki, Jop, Stolarczyk - Uche, Strak, Szymkowiak (70. Pater), Kosowski - Zurawski, Kuzba
Schalke: Rost - Oude Kamphuis, Hajto, van Hoogdalem, Rodriguez - Asamoah, Kmetsch, Poulsen, Böhme - Sand, Mpenza (86. Hanke)
Tore: 1:0 Poulsen (39./Eigentor), 1:1 Mpenza (81.)
Gelbe Karten: Kuzba, Kosowski - Hajto, Asamoah
Schiedsrichter: Kasnaferis (Griechenland)
Zuschauer: 10.300
Mehr als ein Dutzend klarer Torchancen ließ der FC Schalke 04 beim 1:1 (0:1) im Hinspiel der dritten UEFA-Cup-Runde gegen den polnischen Tabellenführer Wisla Krakau aus. Nach einem unglücklichen Eigentor von Christian Poulsen (39.) sicherte Emile Mpenza mit seinem Ausgleichstreffer in der 81. Minute eine gute Ausgangslage für das Rückspiel am 10. Dezember. "Aufgrund der ganz klaren Chancen war das Ergebnis mehr als verdient", betonte Trainer Frank Neubarth nach dem Schlusspfiff. "Ich hätte mich sehr geärgert, wenn wir das Spiel verloren hätten."
Von Beginn an sahen die Zuschauer eine couragiert nach vorn spielende Schalker Elf, die nur ein Manko offenbarte: Sie nutzte die vielen herausgespielten hochkarätigen Möglichkeiten nicht. Das begann bereits vom Anstoß weg, als Böhme - von Mpenza freigespielt - nach nur 16 Sekunden die Führung auf dem Fuß hatte, jedoch mit dem rechten Fuß am linken Pfosten vorbei schoss. Allerdings dokumentierten auch die Krakauer ihre Offensiv-Qualitäten. Einen misslungenen Abschlag von Rost fing Strak ab, bediente Kuzba, der in den Strafraum eindrang, aber aus zwölf Metern an Rost scheiterte (4.).
Nun kombinierten wieder die Königsblauen. Asamoahs Querpass wusste der von seinem Gegenspieler ge- und behinderte Ebbe Sand aus vier Metern nicht in Richtung Tor zu lenken (7.). Dann probierte es Böhme mit dem starken linken Fuß aus 22 Metern, Krakaus Torhüter Hugues zeichnete sich aus, indem er den Schuss zur Ecke lenkte (11.). Den nächsten Anlauf nahm Christian Poulsen, der nach einem Ballgewinn jedoch aus guter Schussposition etwas zu hoch zielte (14.).
Nun war wieder Wisla an der Reihe: Zunächst verfehlte Kuzba auf Zuspiel von Kosowski sein Ziel (19.), doch in der nächsten Szene wäre eigentlich die Führung des polnischen Tabellenführers fällig gewesen. Kuzba narrte Oude Kamphuis an der Seitenlinie, passte auf Uche, der jedoch aus vier Metern den Ball über das leere Tor hob (27.).
Die Mannschaft von Frank Neubarth hätte kurz darauf ihrerseits das erste Tor erzielen müssen. Vorausgegangen war jeweils ein rasantes Zusammenspiel zwischen Ebbe Sand und Emile Mpenza. Doch in der ersten Szene verzog der Belgier aus 16 Metern (29.), beim zweiten Angriff blieb er trotz zweier Attacken auf den Beinen, scheiterte aber aus zehn Metern am geschickt den Winkel verkürzenden Hugues (37.).
Die Krakauer Führung fiel aus Schalker Sicht mehr als unglücklich. Einen Freistoß aus 35 Metern halblinker Position von Szymkowiak verlängerte Poulsen mit dem Hinterkopf unglücklich an den Innenpfosten, von dort schwebte das Leder gerade mit vollem Umfang über die Linie, bevor Frank Rost den Ball wegkratzen konnte (39.). Die Schalker nun geschockt, fast hätte Wisla daraus noch mehr Kapital geschlagen. Maciej Zurawski zielte frei aus 16 Metern vorbei (40.) und Kamil Kosowski fand bei einem weiteren Konter frei vor Rost seinen Meister im Schalker Schlussmann (41.). "Nach dem mehr als unglücklichen 1:0 haben wir die Ordnung verloren und fast noch ein zweites Tor bekommen", räumte Neubarth ein.
Den zweiten Durchgang dominierten allerdings eindeutig die Gäste. Doch lange Zeit überbot man sich im Auslassen größter Torchancen. Das begann schon in der ersten Minute nach Wiederanpfiff, als Böhme den besser postierten Asamoah sah, der Nationalspieler jedoch aus vier Metern zunächst den Pfosten des beinahe leeren Tores und im Nachschuss nur das Außennetz traf (46.). Ähnlich klar die Möglichkeit von Rodriguez, der nach einem Freistoß von Böhme aus fünf Metern frei zum Schuss kam, den Ball aber am rechten Pfosten vorbei schob (49.).
Bei aller Ungenauigkeit vor dem Tor blieb aber unübersehbar, dass die Königsblauen die spielerisch deutlich bessere Mannschaft waren und mit Macht auf den Ausgleich drängten. "Nach dem Wechsel haben wir besser gestanden und Krakau klar im Griff gehabt, allerdings klarste Torchancen ausgelassen", wurden die Nerven von Trainer Neubarth zunächst weiter auf die Probe gestellt.
Etwa, als Kmetsch Mpenza auf die Reise schickte, der Belgier den Ball aus 20 Meter am vor ihm stehenden Keeper Hugues, jedoch ebenso einen Meter am Gehäuse vorbei schlenzte (56.). Jeweils nach Eckstößen verfehlten zunächst Poulsen (73.), kurz darauf Rodriguez nur um Zentimeter das wichtige Ausgleichstor (74.). Und es wollte auch nicht fallen, als Sand den starken Mpenza mit einem Doppelpass freispielte, der 24-Jährige jedoch aus 12 Metern ins Außennetz schoss (76.).
Dann ist das erlösende 1:1 endlich fällig: Christian Poulsens 50-Meter-Pass in den Laufweg des durchstartenden Mpenza suchte Torhüter Hugues außerhalb des Strafraums mit dem Kopf zu klären, nickte jedoch ins Leere. Blitzschnell umkurvte der Schalker Angreifer den Torhüter und schoss aus zwölf Metern zum 1:1 ins leere Tor ein (81.). "Das hat mich unheimlich für Christian gefreut, dass er den Ausgleich vorbereitet hat", fühlte Trainer Neubarth mit dem "Eigentorschützen" mit.
In der Schlussphase suchten die Schalker sogar die Siegchance. Dabei benötigten sie allerdings das Glück des Tüchtigen, als Krakaus Torjäger Maciej Zurawski eine Riesenchance aus fünf Metern nicht nutzen konnte (87.). Ein zweiter Wisla-Treffer hätte den Spielverlauf allerdings auch auf den Kopf gestellt.