Eine Halbzeit lang mussten die Knappen im Hinspiel der ersten UEFA-Cup-Runde gegen FHK Liepajas Metalurgs zittern, doch ein triumphales Comeback von Ebbe Sand legte den Grundstein für den höchsten Sieg in der königsblauen Europapokal-Geschichte. Der Däne erzielte die ersten drei Tore zum 5:1 (1:1)-Sieg über den lettischen Vizemeister. Levan Kobiashvili und Gerald Asamoah steuerten die weiteren Treffer bei, nachdem Katasonov für die Gäste ausgeglichen hatte.
Im ersten Spiel nach der Ära Jupp Heynckes rückten der in der Bundesliga gesperrte Ailton ebenso erwartungsgemäß in die Anfangsformation wie Ebbe Sand, der erstmals nach seiner Virus-Meningitis wieder eingesetzt wurde. Zudem begannen im Gegensatz zum 0:3 beim VfL Wolfsburg am vergangenen Samstag auch Lincoln, Gustavo Varela und Christian Pander.
Die neu formierte Schalker Elf legte von Beginn an großen Einsatz und viel Laufbereitschaft an den Tag. Dennoch tat sie sich zunächst schwer, gegen die defensiven Gäste aus Lettland zu Torchancen zu kommen. Ein 25-Meter-Schuss von Lincoln, den Torhüter Viktors Spole ins Feld zurück boxte, war zunächst die einzig erwähnenswerte Szene (7.). Doch schon die zweite Möglichkeit brachte die Führung. Einem wuchtigen Kopfball von Marcelo Bordon aus der eigenen Hälfte jagten Ailton und Darius Gvildys hinterher. Der Schalker Stürmer ließ nicht locker, irritierte Torhüter Spole, der den Ball verpasste. Gvildys folgender Querschläger landete vor den Füßen von Ebbe Sand, der aus sieben Metern zum 1:0 ins linke Eck schoss (20.). Eine Zentner schwere Last schien von den Schultern der Schalker genommen zu sein.
Aber es gab auch erste Warnzeichen, dass nicht notwendigerweise alles glatt laufen würde. Etwa, als Aleksandr Katasonov nach einem langen Freistoß von Genadijs Solonicins den Ball freistehend aus fünf Metern nur knapp verpasste (28.) oder Rinkus’ Freistoß vom linken Strafraumeck knapp über die Latte ging (30.). Auf der anderen Seite schoss Lincoln nach schönem Rückpass von Varela aus 22 Metern übers Tor (32.).
Und dann die 34. Minute, die die Schalker Aufgabe unnötig erschwerte: Bordon unterlief unbedrängt einen Fehlpass, der sofort auf die rechte Seite hinaus gespielt wurde. Hier grätschte Mladen Krstajic ins Leere, so dass Katasonov allein aufs Schalker Tor zulaufen konnte. Aus sieben Metern schoss der russische Angreifer zum 1:1 ein.
Ein Rückschlag, den die Knappen bis zum Pausenpfiff ungeschehen machen wollten. Doch Lincolns Schuss aus 18 Metern wehrte Stole zur Ecke ab (35.), Ailton misslang ein Volley aus sieben Metern halblinker Position (38.), Varela zielte aus 25 Metern nur haarscharf am rechten Torwinkel vorbei (41.). Und Lincoln kam nach Doppelpass mit Levan Kobiashvili im Strafraum in aussichtsreicher Position nicht zum Abschluss (44.).
Für Nervenberuhigung nach dem Wechsel sorgte Ebbe Sand. In der 52. Minute köpfte der Stürmer nach Ecke von Pander und gelungener Kopfball-Verlängerung von Christian Poulsen aus drei Metern zum 2:1 ein. Acht Minuten später ließ Lincoln den Ball für Sand liegen, der es angesichts eines riesigen Pensums und schwindenden Kräften mit einem Schuss aus 25 Metern versuchte. Abgefälscht von Gvildys fand der Ball den Weg zum 3:1 ins Netz (60.). Zwischen beiden Treffern wechselte Trainer Achterberg den stürmisch geforderten Jörg Böhme ein.
Diese Führung brachte größere Sicherheit in die Aktionen der Hausherren. Levan Kobiashvili demonstrierte dies eindrucksvoll mit einem Heber aus 22 Metern in den linken Torwinkel zum 4:1 (67.). Es war der erste Pflichtspieltreffer des georgischen Nationalspielers für die Knappen. Doch noch war die Partie nicht in trockenen Tüchern, zumal Katasonov frei aus sechs Metern köpfen konnte, das Tor jedoch verfehlte (72.) und Lukosevicius kurz darauf Rost aus 22 Metern prüfte (72.). Auch bei Kalns’ Heber aus 20 Metern war der Schalker Kapitän auf der Hut (80.).
Auf der anderen Seite legte Böhme durch zwei gelungene Querpässe für Varela (76.) und Asamoah (82.) auf, die jedoch an Stole scheiterten bzw. knapp vorbei zielten. Beinahe wäre Lukosevicius nach einer Ecke zudem ein Eigentor unterlaufen (82.). Der fünfte Treffer, der den Schalkern endgültig ein komfortables Polster für das Rückspiel verschaffte, fiel schließlich doch noch. Gerald Asamoah traf nach Vorlage von Hamit Altintop aus zehn Metern mit einem Flachschuss zum 5:1 (89.).